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Sunday, May 25, 2014

0 Die Galionsfigur #8

Die Frau erlitt eine Fehlgeburt und starb, nachdem sie einen toten Jungen zur Welt gebracht hatte. So hatte sich der Wunsch des Vaters erfüllt, aber nicht in der gewünschten Weise. Als der Wirt am nächsten Morgen das Geld zählte, und dann die Vorräte und sah, das mehr ausgeschenkt worden war, als eingenommen, verprügelte er sein Töchter. Er kam zu dem Schluss, dass Töchter zu nichts Nutze waren.
Sie beerdigten die Mutter und den Jungen in stiller Trauer. Die Töchter weinten um ihre Mutter und um die Spiele, die sie nie mit ihrem Bruder spielen würden. Der Vater trauerte seinem Sohn und den Söhnen, die er hätte haben können nach. Für immer sollte es das letzte Mal sein, an dem Vater und Töchter das gleiche fühlten.

The Mother had a miscarriage and died, after she had given birth to a dead boy. So the father’s wish had come true, but not the way he had wanted. When the innkeeper counted the money and then looked at the supplies and saw, that there had been more drinks served than money taken, he beat his daughters. He arrived at the conclusion, that  daughters didn’t have any use at all.
They buried the mother and the boy mourning silently. The daughters cried for their mother and the games they would never play with their brother. The father mourned for his son and the sons he could have gotten. Forever this should be the last time when the father and his daughters felt the same.

Die folgenden Jahre wurden für die Töchter die reinste Qual. Sie standen unter Aufsicht ihres Vaters hinter der Theke. Sie mussten abwaschen, kochen, nähen und alle Arbeiten verrichten, die ihrem Vater nicht tun wollte.  Wenn sie nicht ordentlich arbeiteten, verprügelte er sie, weil er glaubte, dann würden sie besser arbeiten. Wenn sie ordentlich arbeiteten, verprügelte er sie, weil Töchter zu nichts nutze waren. Die Mädchen hatten stets blaue Flecken am ganzen Körper, geschwollene Augen und blutige Lippen sowieso. Ihr Vater forderte von ihnen bedingungslosen Gehorsam und an manchen Tagen erlaubte er ihnen keine Sekunde zu schlafen. In ihrer Familie wurden alle unglücklicher und unglücklicher. Der Vater merkte es nicht einmal und lebte in seinem Unglück, ohne einen einzigen Augenblick zu erkennen, wie sinnlos er sein Leben verbrachte. Er begann zu trinken und vertrank die Hälfte seines Biers oft schon selber. Die ältere Tochter begann ihn mehr und mehr zu hassen. Sie hasste ihr eigenes Leben und sich selbst und immer mehr wuchs der Wunsch in ihr, den eigenen Vater zu töten. Die jüngere Tochter dagegen verbrachte jede freie Minute am Meer. Sie betrachtete die Sonnenuntergänge und die Schiffe, wenn sie mit geblähten Segeln in voller Fahrt auf den Horizont zufuhren. Sie sah die Galionsfiguren, die vorne am Bug der Schiffe standen, frei und hoch über allem, die keiner je belästigte, die keiner je schlug. Die schön waren und nur von Wind und Wellen je berührt wurden. Und sie begann sie zu beneiden. Sie wäre lieber eine Galionsfigur gewesen, ein tote, aber unverletzliche Figur, die zwar fest am Schiff angebracht, aber viel freier als die Tochter eines Wirtes war.

The following years were pure torture for the daughters. They worked under survey of their father in the inn. They had to wash the dishes, cook, sew and all work their father didn’t want to do. When they didn’t work properly, he beat them, because he believed, they would work better then. When they worked properly, he beat them, because daughters had no use at all. The girls had bruises on their whole body, swollen eyes and bloody lips anyway. Their father demanded their absolute obedience and some days he didn’t allow them to sleep a second. In their family everybody became more and more unhappy. The father didn’t even recognize it and lived in his unhappiness, without ever recognizing at any moment, how clueless he spent his life. He began to drink and drank half of his own beer already away by himself. The older daughter began to hate him more and more. She hated her own life and herself and more and more in her the wish became stronger, to kill her own father. The younger daughter spent every free minute at the sea. She watched the sunsets and the ships, when they speeded with swollen sails against the horizon. She saw the figureheads, standing in front of the ships at the bows, free and high above everything, which nobody ever disturbed and nobody ever beat. Which were beautiful and only the wind and the waves ever touched them. She would rather have been a figurehead, a dead, but invulnerable figure, maybe fixed at the ship, but much more free than the daughter of an innkeeper.

Die Schwestern selber lebten beide ja auch schon alle nicht mehr wirklich. Sie waren zu Werkzeugen ihres Vaters geworden, die meistens, wenn sie arbeiteten, nicht einmal mehr nachdachten. Sie waren gefangen und hatten nichts, mit dem sie ihre unsichtbaren Fesseln durchtrennen konnten. Nein, sie lebten nicht mehr, sie existierten nur noch. Aber hatten sie Sehnsucht in sich. Gerade die elendsten Menschen haben sie. Menschen haben Sehnsucht und Träume. Menschen brauchen Liebe. Sie wussten, wenn sie sich nicht befreien würde, würden sie eines Tages ohne Liebe und Träume zugrunde gehen, auch wenn sie es selber nie in Worte fassen konnten.

The sisters actually didn’t live anymore either. They had become tools of their father, don’t even thinking when they worked. They were prisoners and didn’t have anything to cut their invisible chains. No, they didn’t live anymore, they just existed. But there was desire in them. Especially the most miserable people have it. People have desire and dreams. People need love. They knew, if they couldn’t free their selves, one day they would suffer without love and dreams, even though they could never put it into words.

Monday, March 31, 2014

2 Die Galionsfigur #7

Es war ein eiskalter Tag. In einer Straßenecke kauerte eine Bande von Straßenjungen, die keinen Platz auf der Welt hatten.
In einem fernen Land brach ein warmer, sonniger Tag an. Eine Mutter beobachtete ihre Tochter beim spielen, während sie webte. Ihr Mann bewirtschaftete gemeinsam mit dem Gesinde das Feld, das ihnen gehörte. Sie hatten ein glückliches Leben als freie Bauern.
Im Schollenwirtsaß der Wirt bei seiner Frau und sah ihr beim Schlafen zu. Schon bald sollte sie ihre Wehen bekommen.
Die Töchter standen hinter der Theke und mussten die Gäste bewirten. Sie waren klein und die Seemänner waren groß und machten ihnen Angst. Ihre Mutter war gerade dabei, ihnen ein Geschwisterchen zu gebären.
Die Seeleute riefen beständig nach mehr. Die ältere Schwester  wusste schon, dass sie am Ende des Tages mehr ausgegeben habe würden, als die Seeleute ihnen bezahlen konnten, aber sie hatte zu viel Angst vor den rauen, bärtigen Männern, die so bedrohlich wirkten, wenn sie nach Bier riefen.
In der Schänke war es warm, aber es stank fürchterlich nach Alkohol und Männerschweiß und anderen widerlichen Dingen. Immer wieder lief eine von ihnen auf den Hinterhof, um aufzuatmen, denn in der Kälte stank es wenigstens nicht. Vom Dachfenster drangen die Schreie der Mutter auf den Hof.
Es war der erste von vielen schrecklichen Tagen in ihren Leben und später sollten die beiden eine tief Furcht vor dem gebären entwickeln.
Der Wirt war die einzige Hebamme. Er nutzte seiner Frau nicht mehr als ein Waschlappen. Er konnte sie nicht einmal mit Worten trösten. Liebe hatte es nie gegeben und die freundschaftliche Zuneigung von einst war längst verflogen. So waren seine Worte so leer wie sein Herz, das nur hoffte, es würde ein Sohn werden.
So saß der Wirt nutzlos bei seiner Frau und die Mädchen schenkten in der Schenke aus, ohne dass die Seeleute ihnen auch nur einen Pfennig gegeben hätten.

It was an icy day. A gang of streets kids, that had now place in the world squatted in a street corner,
In a faraway country a warm and sunny day began. A mother watched her daughter playing, while she weaved. Her husband farmed with the farmhands the field belonging to them. They had a happy life as free farmers
In the “Clod” the keeper sat by his wife and watched her sleeping. Soon she should give birth.
The daughters stood behind the bar and had to serve the guests. They were small and the seamen were big and frightened them. Their mother was just bearing them a sibling.
The seamen were steadily calling for more. The older sister already knew, that they would have served more drinks than the seamen could pay, but had too much fear of these rough, bearded men, who seemed so menacing, when they called for beer.
In the tavern it was warm, but it smelled awfully of alcohol and the sweat of men and other disgusting things. Again and again one of them went to the backyard, to respire, since there was no smell in the cold. From the dormer the cries of the mother came down to the court. It was the first of many terrible days in their lives and later on they would have deep fear of bearing.
The tavern keeper was the only midwife. He was useful to his wife as much as a wimp. He couldn’t even console her with words. There had never been love and the friendly fondness had vanished. So his words were as empty as his heart, which only hoped, it would be a son.
So the tavern keeper sat useless with his wife and the girls served drinks in the tavern, without ever getting a penny from the seamen.

Tuesday, March 11, 2014

0 Die Galionsfigur #6

Die jüngere Tochter war bereits sieben Sommer alt, als ihre Mutter wieder schwanger wurde. Wieder wurde der Vater ganz aufgeregt, wegen dieser Hoffnung, einen Sohn zu bekommen und kümmerte sich liebevoll um seine Frau. Dabei ließ er kaum jemanden in ihre Nähe, nicht einmal sein Töchter.
Der älteren Tochter war es egal, sie ging ihre eigenen Wege und kam nur nach Hause, wenn sie Hunger hatte. Die jüngere Tochter litt darunter von ihrer Mutter getrennt zu sein, sie war noch nie ohne ihre Mutter gewesen. Sie kam nicht zurecht, ohne den Rock der Mutter, an den sie sich sonst klammerte, ohne die Wärme und die Zuneigung. So saß sie die meiste Zeit vor der Tür der Schlafstube und wurde doch nicht hineingelassen, von dem Vater, der unbedingt einen Sohn wollte, als könnte die Anwesenheit eines Mädchens verhindern, dass es ein Sohn würde. Oder als könnte die Anwesenheit eines Mannes, der nicht wusste, was er tun sollte, falls die Niederkunft käme, der Frau bei der Geburt auch nur im Geringsten helfen. Das Mädchen wusste nicht, wie viel mehr sie leiden würde, wenn ihr Bruder erst geboren wäre. Das war ein Tag, an dem sich ihr Leben zum Schlechten wendete.

The younger daughter was already seven summers old, when her mother became pregnant again. Again the father was excited, because of the hope to get a son and he cared with love for his wife. Thereby he let nobody come close to her, not even his daughters. The older daughter didn’t care; she went her own ways and only came home, when she was hungry. The younger daughter suffered of being separated from her mother she had never been without mother. She didn’t get along without the coattail of her mother to hold, without the warmth and love. So she sat most of the time in front of the bed chamber and still wasn’t let in by a father, who at all costs wanted a son, as if the presence of a girl could avert that it became a son. Or as if a man, who didn’t even know what to do, if the birth came, could help the woman anyway. The girl didn’t know how much more she would suffer, if her brother would be born. That was the day her life took a turn to the bad.

Saturday, February 15, 2014

0 Die Galionsfigur #5

Am selben Tag als der junge Mann und seine Frau in die Stadt kamen wurde endlich das Kind des Wirtes geboren. Es war eine weitere Tochter. Damals galt eine Tochter weniger als ein Sohn. Der nun eigentlich nicht mehr arme Mann war enttäuscht. Er hatte einen Sohn gewollt. Aber nun also eine zweite Tochter. Sowie er erfuhr, dass es ein Mädchen war, war die Geburt für ihn keine große Sache mehr. Er ging wieder hinab in die Schenke und wollte von seiner Tochter nichts wissen.
Die Mutter liebte ihre Tochter sofort, wie sie es auch bei der erste Tochter getan hatte. Sie war ein wunderschönes Mädchen, mit dunklen Haaren, die man schon bei ihrer Geburt sehen konnte. Und sie hatte klare Rehbraune Augen, die sie insgesamt zu einem kleinen Reh machten. Sie war so unterschiedlich von der ersten Tochter, die blaue Augen, blonde Haare und Sommersprossen hatte. Wie die Mutter ihre zweite Tochter bekam, sorgte sie sich weniger um ihre erste. Ihre erste Tochter schloss sich den Kindern ihres Viertels an, den Kinder all jener, die zwar nicht reich waren, aber ein Dach über dem Kopf und Ersparnisse hatten. Was zu jener Zeit manchem ärmeren schon wie Reichtum erschien. In ihrer Bande legte sie sich oft mit den Straßenkindern vom Rande der Stadt an.
Ihre kleine Schwester hingegen wuchs die ersten Jahre ihres Lebens behütet bei ihrer Mutter auf.
In dieser Zeit wurde der Wirt des Schollenwirtes dutzende Male betrogen, sodass sein Herz sich noch mehr verhärtete und er den Ärmeren Menschen alles zutraute, was es an Verbrechen und Schändlichkeit gab.

At the same day when the young man and his wife arrived the city, finally the child of the tavern keeper was born. It was another daughter. Back then a daughter counted less than a son. The man, who actually wasn’t poor anymore was embarrassed. He had wished for a son. But now he had a second daughter. Just as he heard, that it was a girl, the birth was no greater matter for him anymore. He went down to the tavern and didn’t want to hear a single word about his daughter. The mother loved her daughter from the first moment, just like she had loved her first daughter. She was a beautiful girl, with dark hair, already visible at birth. And she had plain, deer-brown eyes, which altogether made her a little deer. She was so different from the first daughter, who had blue eyes, fair hair and freckles. As the mother had born her second daughter, she cared less about her first. Her first daughter strayed around with the kids in the district, children of those, who weren’t rich, but had a roof over their heads and savings. This was for many of the truly poor still wealth. In her gang she often took the street kids on. Her little sister on the other hand grew up sheltered by her mother. In this time the keeper of the Clod was deceived dozens of times, so that his heart even more hardened and he didn’t put even the most dishonorable things and crimes past the poorer people.

Thursday, February 13, 2014

0 Die Galionsfigur #4

Das junge Paar wurde enttäuscht. Sie verzweifelten an der Härte der Stadt,  die mittellosen Menschen keinen Platz bot. Tag für Tag zogen sie schließlich umher und bettelten bei den Menschen, denen es besser ging. Auch der junge Mann arbeitet als Tagelöhner, aber es gab kein leeres, freistehendes Haus, das seine Familie aufgenommen hätte, keine Unterkunft, die sich geboten hätte. Schließlich zogen sie in den kleinsten aller Verschläge am Rande der Stadt, wo die ärmsten der Armen lebten. Es wurde keine glückliche Zeit. Sie hatten wenig zu essen und konnten nicht mehr miteinander glücklich sein. Schließlich hatte die junge Frau genug. Ihr Mann hatte aufgegeben mit dem Leben und lebte meist nur noch für das Geld, das er am Ende jeden Tages bekam, nur um einen weiteren Tag zu überleben, nicht jedoch um zu leben. Sie verließ ihren Mann und ebenso ihren Sohn und zog wieder fort, zu Fuß, um in das nächste Land zu reisen. So kümmerte sich keiner mehr um den kleinen Jungen und er verwahrloste. Er schloss sich einer kleinen Gruppe Straßenkinder an, mit denen er Tag für Tag durch die Straßen zog, damit er leben konnte, denn in dem kleinen Verschlag am Rande der Stadt konnte man die Nacht verbringen, aber nicht leben. Der Junge lernte, wie man Menschen bestahl, ohne dass sie es merkten. Er lernte, wie man lügte. Er lernte, gemein zu sein, selbst zu Unschuldigen. Der Mann hingegen starb kurz darauf. Keiner wusste überhaupt, weshalb, aber es gab niemanden der sich für ihn interessierte, nur diejenigen, die nach seinem Tod in den Verschlag am Rande der Stadt einzogen, sonst niemanden.
Währenddessen kehrte die Mutter zurück in das Land, aus dem sie gekommen war. Sie lernte einen anderen Mann kennen, dessen Frau vor kurzem gestorben war, und nach einiger Zeit heirateten sie. Er brachte eine Tochter mit in die Ehe, ein kleines Mädchen, das so alt war wie ihr eigener Sohn.

The young couple was embarrassed. They became desperate of the cruelty of the city, which had no place for penniless people. Day by day the trekked around and begged at those people which were better off. The young man worked as a day laborer too, but there was no empty house he could have moved in, no dwelling which offered itself to them. Finally they moved in the smallest of all sheds at the seam of the city, where the poorest of the poor lived. It became an unhappy time. They had less to eat and couldn’t be happy together. Finally the young woman had enough. Her husband had given with his life and lived only for the money he became at the end of the day, just to survive one more day, but not to live. She left her husband and her son as well and went away by foot to travel to the next country. From then on, nobody cared about the little boy and he neglected. He affiliated to a gang of street children, which whom he strayed along the street, so he could live, because the shed at the city’s seam was to stay the night, but not to live. The boy learned how to steal, without being recognized. He learned to lie. He learned to mean, even to the innocent. The man however died. Nobody knew why, but the only to care about him where those who moved to the shed after his death, but nobody else.
Meanwhile the mother returned to the country she had come from. She met another man, whose wife had died and after a while they married. He brought with him a daughter to their matrimony, a little girl of the same age her son was.

Sunday, February 02, 2014

0 Die Galionsfigur #3

Nach einiger Zeit hatte der Mann dafür, dass er in der Stadt war, wieder Glück und schaffte es, eine Schenke in seinem kleinen Haus zu eröffnen. Er nannte es Zum Schollenwirt, in Erinnerung an die kleine Scholle Land, die er einst besessen hatte. Einige Jahrhunderte später sollte dort ein Fischrestaurant mit demselben Namen eröffnen, auf dessen Speisekarte Schollengerichte standen.
Doch in seinen Anfangstagen war der Schollenwirt eine Schenke in der nur Getränke auf den Tisch kamen, wenn überhaupt gab manchmal es Suppe. Der arme Mann, der nun ein Wirt war hatte nun einen Aufstieg sondergleichen hingelegt, ohne zu wissen, dass die meisten Menschen hier in der Stadt am Meer es  nicht so leicht hatten. Ohne es auch nur bemerkt zu haben, gehört er nun zur reicheren Hälfte der Bürger. Seine Rechte als Bürger hatte er erworben, als er in das kleine, leerstehende Haus gezogen war. So wurde er einer der hartherzigen Bürger der Stadt, die nichts von dem abgaben, was sie hatten. Denn er wusste nicht, wie hart die Stadt wirklich war. Er glaubte felsenfest, jeder könne es in dieser Stadt zu etwas bringen und wenn er nur fleißig genug wäre und hielt darum die Armen für faul.
Seine Frau  indessen wurde immer runder und es sah so aus, als würde sie schon bald gebären. Der Mann hoffte, dass es diesmal ein Sohn werden würde, denn er hatte zwar hatte nichts als seine Schenke, aber selbst auf solches wird man mit der Zeit stolz.
Es war ein heißer Tag in der Stadt am Meer, als wieder ein Schiff vorfuhr. Eines von vielen, die tagtäglich kamen und gingen. Auf diesem Schiff befand sich ein junges Ehepaar  aus einem fernen Land, zusammen mit ihrem Sohn. Sie hatten ebenso wenig wie der Wirt mit seiner Frau gehabt hatte, als diese einst in der Stadt angekommen waren und kamen mit ebenso großen Hoffnungen.

After some time the man had quite luck again, consideringthe fact, that he was in this city and managed it to open a tavern in his small house. He called it the  Clod, in remembrance of the small clod of earth he had once posessed. Some centuries later, there would be a fish restaurant with the same name, on which the menu offered plaice.
But in its early days the Clod was a tavern in which only drinks were served, if at all there was soup sometimes. The poor man, which was tavern keeper now, had made an inimitable ascension, not knowing, that most people in the city by the sea didn't have it easy. Whithout even having recognized it, he belonged to the richer half of the people. He had acquired his citizenship by moving into the emty house. In so doing he became one of the heard-hearted citizens of the city, who didn't gave aything away they had. He didn't knew, how cruel the city really was. He believed adamantly, everybody could achieve in this city, if he just  worked hard enough and thought of the poor as lazy.
He wife meanwhile became rounder and rounder, and it looked as if she would bear her child soon. The man hoped, that this time it would be a son, though didn't have much more than the tavern, but even of that, one can become proud of.
It  was a hot day in the city by the sea, when again a ship sailed in. One of many coming and going day by day. On this ship there was a young married couple of a far country, together with their son. They had as much as the tavern keeper and his wife had had, as he they had arrived once, and came with the same hope.

Friday, January 31, 2014

0 Die Galionsfigur #2

Die Stadt am Meer war rau und nahe dem Rand der Gesetzlosigkeit. Eine jener Art, in der sich die Obrigkeit im Charakter nicht weit von den untersten der Unteren unterscheidet, da die meisten  Menschen wenig über Nächstenliebe und Mitleid nachdenken. Es war in jener schlimmsten Zeit, in der der Hungersnot herrschte und abertausende vom Land in die Stadt zogen, nur um von ihrer Abscheulichkeit enttäuscht auf der Straße zu landen.
Da war ein armer Mann, der mit seiner schwangeren Frau und seinem ersten Kind durch die Straßen zog. Beide, der Mann und seine Frau hatten Angst, in der fremden Stadt, die so strenge Gesetze hatte, aber nicht zugunsten der wehrlosen, sondern der Reichen. Sie zogen bereits Stunden durch die Straßen, aber keiner war da, der ihnen geholfen hätte. Ihre kleine Tochter hatte bereits vor Stunden aufgehört zu jammern, denn sie hatte nicht mehr die Kraft dazu. Als sie schließlich verzweifelt den Hafen entlangliefen, in der Hoffnung, den Seeleuten etwas Barmherzigkeit abzugewinnen, aber jene, denen sie begegneten, waren grobe Männer, die selten an mehr als ihren nächsten Krug an Rum, Bier, Schnaps oder ähnlichem dachten.
Schließlich fanden sie ein leerstehendes Haus. Niemand befand sich darin. Im Viertel hieß es, das Haus sei verflucht und niemand wagte sich je in die Nähe des Hauses. Doch der Mann und die Frau wussten es nicht, also beschlossen sie, dort zu bleiben. Sie hatten ihren Acker verkauft und das Geld dafür längst ausgegeben um in die Stadt zu reisen, also blieb ihnen nichts als ihre Kleidung und die Kinder. Zwei hatten sie. Ihre Tochter und das Kind, das die Mutter in sich schützte. So verbrachten sie eine Nacht frierend in dem Haus.
Zunächst wurden sie nach dieser Nacht zum Klatsch des gesamten Viertels. Viele dachten, sie wären Geister, andere meinten, bald würde sie ein Unglück heimsuchen. Doch sie blieben, ohne dass etwas geschehen wäre, darum nahm man sie bald hin, so wie sie waren, auch wenn keiner von ihnen sich ihnen besonders angetan zeigte. Es war einer der weniger harten Gebiete der Stadt, in der die Menschen wenig teilten, aber dennoch nicht übereinander herfielen.
Ohne zu wissen, wie viel Glück sie hatten, dass sie dieses Haus gefunden hatten und nicht Bettler geworden waren, zogen sie in das Haus ein. Zumindest nannten sie das Gebäude Haus, auch wenn es winzig und eingeklemmt zwischen den umliegenden Häusern lag. Während die Mutter ihr Kind austrug und die Tochter begann ihre eigenen Pfade zu gehen, während der Vater Tag für Tag als Tagelöhner arbeitete, richteten ihr sich ihr neues Leben ein. Ohne zu wissen, dass nur ganz wenige dieses Schicksal gingen, ohne dass sie verhungerten, ohne dass jemand ihnen auch noch das letzte genommen hatte, was sie hatten. Jeder, der damals alt wurde, befand, besonders in jener Stadt, dass er eigentlich durch Glück und Zufall alt geworden war.


The city by the sea was harsh and near lawlessness. One of those kind, in which the the authority was in character not different from the lowest of the low class, because none of the people ever think about altruism and pity. It was in this worse time of dearth, when thousands from the country trekked to the city, only to be embarrassed by its abomination and land on the streets.
There was a poor man who walked with his pregnant wife and his first child through the streets. Both, the man and his wife were scared of the strange city, with so severe laws, but not for the helpless's sake, nut for sake of the sake of the rich. They were already walking for hours through the streets, but there was nobody, who would have helped him. Their little daughter had finished with crying already since hours, for she didn't have the strength for it anymore. When the finally walked along the harbour, hoping for mercy from the sailors, but those they met were rude men who seldom thought of more than the next jug of rum, beer, grog or similar liquors.
Finally they found an empty house. Nobody was in there. In the district they said, that the house was doomed, and nobody dared to enter the house. The poor man and his wife didn't know and decided to stay. They had sold their field and spent it already on the journey to the city, so there were only their clothes and their children left. They had two children. Their daughter and the child the mother carried. That way they spent the night freezing in the house.
Initially they became the talk of the whole district. Many thought, they were ghosts and others said, they were doomed like the house. But they stayed, without anything happening, so they people accepted them the way they were, although nobody would show up friendly to them. It was one of the less tough districts, whose inhabitants didn't share much, but still didn't attack each other.
Without knowing how much luck they had, that they had found this house and hadn't become beggars, they moved into the house. At least they called the building house, although it was tiny and clamped between the surrounding houses. While the mother carried her child and the daughter began to go her own ways, while the man worked day after day as day labourer, they turned over a new leaf. Without knowing, that only few went this merciful fate, without starving, without being taking there last belongings. Everybody who became old at that time, deemed, especially in that city, that he actually had become old because of luck and coincidence.

Wednesday, January 29, 2014

0 Die Galionsfigur #1

Ich strich über das raue alte Papier des Bildes. Die Tinte, mit der der Maler das Bild gezeichnet hatte, war verblasst, aber trotzdem bewahrte das Bild so etwas wie Glanz und Pracht, obwohl es nur etwas Schlichtes darstellte. Es war eine jener Galionsfiguren, die in früheren Zeiten auf den großen Segelschiffen angebracht gewesen waren. Sie hatte schwarze Haare und war anmutig, auch wenn sie nicht nach den üblichen Maßstäben schön war. Ihr Blick war verzweifelt und hätte jener der Prinzessin Andromeda sein können, wäre da nicht das schlichte Kleid eines einfachen Mädchens gewesen. Ihr Haar hing ihr etwas unordentlich herab und ihr Kleid hing nach vorne, so als wäre es wirklich ein Mädchen, das da am Bug hing. Ich hatte immer gedacht, dass sie eine Geschichte gehabt haben musste. Und so viele Fragen. Hatte es die Galionsfigur wirklich gegeben? Wer hatte das Bild gemalt? Wer war dieses Mädchen, das so verzweifelt blicken konnte?
Gerade weil es ein so wunderschönes Bild war, stellte ich mir immer wieder solche Fragen. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass es nur ein Bild war. Und ich wollte mir keine eigene Geschichte dazu ausdenken.
Meine Großmutter sagte hin und wieder etwas zu dem Bild. Jedoch nicht viel.
„Sie trug ein Geheimnis in sich“ sagte sie zum Beispiel leise vor sich hin, oder: „Alles hat eine Geschichte…“
„Aber was ist ihre Geschichte?“ fragte ich dann, stets vergeblich, denn dann wechselte Großmutter bereits das Thema.
Heute an diesem Tag saß sie mir gegenüber und sah mich etwas unsicher, aber auch ernst an.
„Ich muss dir die Geschichte erzählen“ sagte sie
Ihre Geschichte?“ fragte ich
Großmutter nickte.
„Aber auch deine.“ sagte sie „Hör mir gut zu. Du bist die erste und einzige, die diese Geschichte je hören wird.“

I uncurled the raw, old paper of the picture. The ink the painter had used, had faded, but still the picture kept something like brilliance and magnificence, although it only showed something very simple. It was one of these figureheads that had been on the fores of sailing ships a long time ago. She had black hair and was comely, although she wasn't beautiful in usual measure. She was looking desperate and could have been the princess Andromeda, if there hadn't been the plain dress of a simple girl. Her Hair was hanging down in a mess and her dress was hanging forth, like she was really a girl hanging there at the fore. I had always thought that she must have had a story. And I had so many questions. Was this a real figurehead? Who had painted the picture? And who was the girl that could look so desperate?
It was just because the picture was so beautiful, that I asked these question over and over again. I couldn't imgine, that it was only a picture. I didn't want to make up a story for this picture.
My grandmother used to say something about the picture. Though she didn't say much.
"She bore a secret" she said quiet to herself, for example, or "Everything has a story"
"But what was her story?" I then asked, always vainly, because there she would talk about anything else.
This day she was sitting opposite to me and looked at me slightly unsure, but gravely too.
"I have to tell you the story." she said
"Her story?" I asked
Grandmother nodded
"But also yours" she said "Listen carefully. You are the first and only to listen to this story."