Sunday, August 16, 2015

Mein allererster Manga: "Death Note 1"- Tsugumi Ohba und Takeshi Obata

Das ist der erste richtige Manga, den ich in meinem Leben gelesen habe. Oder überhaupt der erste Manga, wie man's nimmt. Ihr könnt euch denken, dass ich mich mit Mangas nicht so auskenne, meine Mutter ist Chinesin und hat mich eigentlich ziemlich zuverlässig von allem was aus Japan kommt ferngehalten... so viel also zu interkultureller Offenheit und Kompetenz.

Ich muss also erstmal dem Geschmack meiner kleinen Bibliotheksfreundin vertrauen, denn ich habe absolut keine Ahnung, wie Death Note im Vergleich anderen Mangas ist und was jetzt an diesem Manga speziell und was typisch ist und wie er überhaupt im Vergleich zu anderen Mangas steht. Ich musste ja nochmal nachgucken, wie denn überhaupt der Zeichner heißt, den Namen konnte ich mir nicht merken. Und ich habe das Buch natürlich erstmal vom falschen Ende her (also von Links) gelesen, obwohl eigentlich jeder Bescheid weiß, nur wenn man das Ding in der Hand hält, macht man den Fehler dann doch. Also lassen wir den Teil weg und springen gleich zu Handlung, Stimmung und wie ich die Zeichnung rein ästhetisch betrachtet fand.


Ich fand das Ding ziemlich düster. Nicht alle Mangas sind nur schwarz-weiß, oder? Ich finde das ja schon anstrengend im Vergleich zu Asterix, wo einfach alles schön bunt koloriert wird. Aber passt zur Story, die ebenfalls düster ist.
Ein Heft (also das sogenannte "Death Note"), durch das man Menschen umbringen kann, indem man ihre Namen darin einträgt? Mit dem man sogar Todesursache und -zeitpunk bestimmen kann? Und dann benutzt ein siebzehnjähriger japanischer Schüler es, um Schwerverbrecher zu bestrafen und handelt sich natürlich damit weltweite Aufmerksamkeit der Polizei und einen Gegenspieler namens L ein. Die Handlung ist schon allein durch das kontroverse Thema (Darf man einen Menschen töten, selbst wenn er Böses getan hat? Ist man böse, wenn man man einen Verbrecher tötet?) ziemlich spannend und das Ende ist ein nervenzerreißender Cliffhänger; man will eigentlich sofort danach weiterlesen und kann aber nicht. Was natürlich schon an die Grenzen des Erträglichen ging, denn "Death Note" hängt allein an seiner Spannung.
Wie bei jedem Comic bin ich ziemlich durch die Geschichte geflogen und hatte ihn schnell durch, was natürlich an der Bildergeschichte an sich, aber auch an der Handlung lag, die so aufgebaut ist, dass man unbedingt wissen will, was als nächstes passiert. Die Zeichnungen haben auch ihren Vorteil, zum Beispiel gibt es wie in einem Film diese typischen Teaser-Szenen, in denen man den geheimnisvollen Gegenspieler im Schatten und von hinten sieht, aber natürlich nicht erkennen kann und die ganze Zeit rätseln muss, um wen es da eigentlich geht. Ob das gut oder schlecht ist, schwer zu sagen.
Man ist auch so in der Spannung gefangen, dass man gar nicht mehr darüber nachdenkt, ob einem die Charaktere sympathisch sind, oder nicht (Light Yagami ist ein Spitzenschüler, der natürlich alles kann und superintelligent ist und so weiter und bei Ryuk, dem Todesgott dem Light das Death Note überhaupt verdankt, mag ich das Charakterdesign einfach nicht so. Zu ekelhaft gruselig, zu schweres Ohrgehänge und zu protzige Kluft. Das liegt aber bloß an meinem persönlichen Modegeschmack, und daran, dass ich eine Streberin bin, die es immer höchstens schafft, Nummer zwei zu werden, obwohl sie an der Spitze stehen will und dieses Jahr ein ernüchterndes Zeugnis himgebracht hat, das heißt natürlich ernüchternd, weil ich keinen Eins-Komma Schnitt in diesem Jahr geschafft habe.) sondern einfach mitfiebert. Sind grade alle mitgekommen? Wenn nicht, könnt ihr diesen Absatz einfach nochmal lesen.

Was ich zu den Zeichnungen sagen möchte, ist dass ich sie, von den Todesgöttern abgesehen, die absichtlich ekelhaft gezeichnet sind und den Verbrechern, die alle irgendwie ein bisschen hässlicher sind, fast alle viel zu perfekt gezeichnet finde, irgendwie sehen Light, seine Familie, seine Klassenkameraden und Freunde, die Mädchen (besonders die) und selbst die meisten Polizeibeamten, die nicht unbedingt perfekt gezeichnet sind, trotz allem zu glatt. Liegt natürlich an Mangas allgemein. Irgendwie sind die immer leicht idealisiert, gerade weil die Zeichentechnik so "einfach" ist (jetzt mal in Anführungsstrichlein, weil ich selber nicht so toll Mangas zeichnen kann) sehen die nicht nach echten Menschen aus...

Ansonsten finde ich das Thema auch ziemlich interessant, weil es so komplex ist und, gerade weil es quasi aus der Perspektive des Scharfrichters erzählt wird, der die Menschen tötet. Allerdings gibt es natürlich auch Stellen wo Light einfach viel zu überzeugt davon ist, dass er durch seine Morde das Richtige tut.
Er rechtfertigt seine Morde ja damit, dass er dabei nur Schwerverbrecher tötet, Menschen denen keiner nachtrauert und die der Welt vor allem Schaden. Ich meine, ich kann den Grundgedanken dahinter verstehen, aber sollte lebenslängliche Haft im Zweifelsfall nicht ausreichen? Zumal es den Verbrechern erstens doch eigentlich eine schlimmere Strafe ist, jahrelang in Gefangenschaft vor sich hinzubrüten sie zweitens dadurch eine echte Chance bekommen, über ihre Verbrechen erstmal nachzudenken und man drittens im Fall der Fälle damit keinen Unschuldigen umbringt, falls die Beweislage sich doch ändert, oder? So intelligent kann Light also auch nicht sein.

8 Kommentare -gib deinen Senf dazu:

  1. Ich hab auch noch nie einen Manga gelesen, aber so wie du das schreibst, krieg ich direkt Lust dazu. Ich glaub, ich werde noch ein bisschen darüber nachdenken, mal einen zu lesen...

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    1. Hmm, irgendwie interessant ist es schon, auch wenn mich einiges an "Death Note" auch ziemlich nervt... also, man muss jetzt nicht unbedingt Death Note gelesen haben. Man kann bestimmt auch mit anderen Mangas anfangen, aber frag mich nicht, ich bin absolut nicht die Expertin :D

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  2. Zu der Frage mit der Farbe: Ich hab jetzt nicht viele Mangas in meinem Leben gelesen, aber eigentlich sind sie typischerweise immer schwarz-weiß. Mir fällt höchstens Sailor Moon (die neue Auflage) ein, allerdings sind da nur die ersten 10 Seiten farbig, danach wird's ebenfalls wieder nur schwarz-weiß. (Frag mich nicht, verstehe die Logik dahinter auch nicht. :D)

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    1. Ach so. Ich finde die Grautöne ein bisschen verwirrend... zum einen, weil ich zuerst dachte, Light hätte weißblonde Haare (im Malfoy-Style xD) zum anderen, weil das ganze total steril aussieht. Wenn alles wie mit dem Lineal gezogen ist, und dann auch noch die ganze Farblosigkeit...

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  3. Hi, ich lese auch Manga, sogar ziemlich viel und gerne, Death Note habe ich auch mit als erstes gelesen und die Story wird in den weiteren Bänden noch richtig kompliziert und noch düsterer als sowieso schon. Light bekommt dann auch noch einen Gegenspieler, L, der ja im ersten Band auch schon erwähnt wird und es wird ein richtiger Konflikt zwischen Gut und Böse und was ist eigentlich gut und was ist böse...
    Zu der "Farbwahl" kann ich sagen, dass Manga alle schwarz-weiß sind, weil das in Japan Massenware ist und meist gleich nach dem Lesen weggeschmissen wird, da wäre es viel zu teuer das farbig zu machen und würde sich auch gar nicht lohnen.
    Meine Freundin und ich sind noch ganz neu in der Blog-Welt und haben erst vor ein paar Tagen unseren Blog online gestellt mit Geschichten und Gedichten von uns und auch schon Buchrezensionen, vielleicht hast du ja Lust, ihn dir mal anzugucken, würde uns sehr freuen! ;)
    P.S.: würdest du uns deinen Blog wirklich faxen? ;)

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    1. Hallo Kit,
      inzwischen bin ich zu Band 6 vorgedrungen und naja, als Kampf zwischen gut und böse würde ich es nicht eben bezeichnen...
      Massenware, die dann in der deutschen Übersetzung ziemlich teuer verkauft wird, trotz schwarzweiß...
      Ja, ich habe mir SSSonderbar schon angeguckt. Ziemlich interessant, ich hatte bloß noch nicht die Zeit, mir alles mal gründlich durchzulesen, oder überhaupt einen Kommentar zu hinterlassen :-)

      Ähm... klar doch, wenn ihr mir eure Faxnummer gebt ;-)

      lg Mulan

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  4. Ich hab das mal geguckt, weil eine Ferienbekanntschaft das so toll fand und uns den Anfang gezeigt hat. Nur dass ich auf's Ende irgendwie keine Lust mehr hatte und meine Schwester gesagt habe, sie könne mir gerne den Rest erzählen, ich hätte keine Lust mehr. Bewundernswerte Ausdauer, ich weiß, aber irgendwie gab es so ein paar Dinge, die mich störten (inklusive die Ästhetik der bösen Götterdämonendingsdas). Zum Beispiel diese Radikalität von Light, wenn er rummeuchelt, oder dass die so hyperintelligent waren, dass es einfach nur unecht wirkte. Ich liebe intelligente Protagonisten, die Schlüsse ziehen, auf die ich selbst nie gekommen wäre, aber bitte nicht so. Die lagen mit ihren verrückten Thesen ja einfach immer richtig und da hat mir die Spannung dann auch nicht weiter geholfen, wenn ich die Leute nicht ausstehen kann, wird das nichts. Also, man kann Charaktere natürlich auch auf eine gute Art und Weise furchtbar finden, Joffrey Baratheon zum Beispiel, fabelhaftes Kind. Aber bei Light war das nicht so der Fall, sein Mädel mochte ich auch nicht, nö, nicht meins.
    Soviel also zu meiner vernichtenden Kritik. Kann sein, dass es auch was gab, was ich gut fand, aber ich erinnere mich nicht mehr, war dann wohl nicht so einschneidend. Ich weiß nicht, wieso ich hier so rum mäkele, es hat sich gerade so ergeben. Die Serie ist übrigens in Farbe!
    Hier übrigens auch eine Nummer 2 Mini-Streberin. Aber mehr die Art von Streberin, die einfach Prüfung in Deutsch, Englisch und Mathe schreibt, weil man für die Fächer am wenigsten lernen, mehr können muss. Die faule Variante. ^^

    Alles Liebe,
    Mara

    PS: Was mir gerade dazu noch einfällt, mein Lieblingszitat von Gandalf: "Viele, die leben, verdienen den Tod. Und manche, die sterben, verdienen das Leben. Kannst du es ihnen geben? Dann sei auch nicht so rasch mit einem Todesurteil bei der Hand." Tja, Light. Erst mal einen Jahrtausende alten Zauberer fragen, der weiß es nämlich besser.

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    1. Kommt mir alles bekannt vor. Ich finde die Todesgötter auch nicht so sonderlich hübsch.
      Was die Hyperintelligenz angeht, fand ich, dass es durchaus Stellen gab, die wirklich durchdacht waren, dann solche, woe einfach beide viel zu schlau waren und viel zu schnell gewusst haben, was der andere denken könnte und dann wieder Aspekte, die einfach vollkommen unlogisch sind, weil nicht kalkulierbar, wie z.B. dass Light sich einsperren lässt und das Death Note weggibt. Das macht dann zwar schon ein sympathische Light-Momente, wie er ohne das Death Note eigentlich ein ganz netter Kerl ist, aber es zeugt eben nicht von überragender Intelligenz....
      Joffrey Baratheon finde ich jetzt, zumindest um Buch, eher abstoßend. Ein dummer, verwöhnter kleiner Arsch. Und im Gegensatz zu Draco und Dudley aus Harry Potter -deren negative Eigenschaften er in sich vereint- hat er keine einzige positive Eigenschaft, die mir einfällt. Vielleicht ist das in der Serie anders, aber im Buch ist Joffrey eigentlich ein ziemlich eindimesionaler, flacher Charakter.
      Wie gesagt, ohne Death Note wäre Light eigentlich ziemlich in Ordnung. Ich würde ihn immer noch nicht heiraten und ich würde wahrscheinlich in einen Wettstreit geraten, wer es besser weiß, denn ALLES kann er ja auch nicht wissen...
      Ja, Misa ist das nervigste Mädel von dem ich je gelesen habe und nicht gerade der Ausbund an weiblicher Stärke und Selbstbewusstsein.
      Und überhaupt, Death Note und starke Frauen? Och nö...
      Nee, ich bin diejenige die ständig streckt und immer noch mehr wissen will... und die dann in Latein am Ende der Zehnten frustriert über die Drei ist, weil sie eigentlich jahrelang Einser hatte und der Idiot, der nicht mal im Unterricht anwesend war, hatte ebenfalls eine drei.
      Hübsches Zitat, das muss ich mir merken :-)

      deine Mulan

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