Wednesday, August 19, 2015

"Allerseelenkinder" -Diandra Linnemann

Die Geschichte, wie ich an dieses Buch gekommen ist, ist ja auch schon witzig. Es beginnt mit dem Welttag des Buches, als ich es bei Diandra Linnemann auf ihrem Blog, Diandras Geschichtenquelle gewonnen habe. Halt, nein! Das ist langweilig. Es beginnt damit, dass mein Vater mit mir diskutierte, als ich das Silmarillion las, weil er meinte, ich solle das aber nicht allzu ernst nehmen und das sei ja alles nur unrealistischer Quatsch. Mein Bruder und ich fingen nämlich an, über diverse Begebenheiten in Mittelerde zu diskutieren, wie das denn gewesen sei, ob Arda eigentlich rund ist (Arda war zunächst flach und wurde dann später verwirrenderweise rund) und so weiter und unsere Eltern finden natürlich, dass doch alles vollkommen unfruchtbar und schlecht für ihre Kinder ist (weil da Gewalt drin vorkommt und es unrealistisch ist. Sie schauen aber trotzdem beide ganz gern James Bond mit uns und meine Mutter fand Legolas schon immer total gut aussehend und hat deswegen sogar Herr der Ringe durchgehalten) und solche Diskussionen bloß ins Leere laufen. Vielleicht ist da ja auch was dran, dass man sich nicht so sehr auf fiktiv Welten fixieren sollte, bloß, für mich macht das auch keinen Unterschied, ob man sich auf Fantasien in der realen Welt fixiert oder in einer anderen Welt und wenn ein bisschen Magie drin vorkommt, kann man doch viel schneller unterscheiden, ob etwas real ist, oder? Aber ich schweife ab.

Ich weiß jedenfalls, dass mein Vater zwar schon Jahrelang den "Hobbit" und den "Herr der Ringe" in seinem Regal stehen hatte, aber nie wirklich weit gekommen ist, genausowenig wie meine Mutter bei Harry Potter weiterkam. Und dann sagen die Leute, die nie irgendetwas Fantastisches lesen, dass man da vorsichtig sein muss und sich nicht in fantastischen Welten verlieren darf. Meinetwegen, aber ich persönlich glaube ja, dass sie das sagen, weil sie noch viel mehr Probleme haben, mit Realität und Fiktion umzugehen.


Und dann fragte die liebe Diandra natürlich, aus welchen Grund sie es wem eigentlich überhaupt schicken sollte... Nun ja, das ist doch die beste Begründung, oder? :D
Ich habe es immerhin geschafft, meinem Vater ein verwirrtes Stirnrunzeln beim Auspacken und ein "Soso..." mit Lächeln zu entlocken. Gelesen hat er es immer noch nicht, obwohl es strategisch günstig in seiner Nachttischschublade platziert ist. Allerdings liest er lieber Blogs über erneuerbare Energien und hört Podcasts über Elektromobilität und so weiter, hat also natürlich üüüberhaupt keine Zeit dafür.
Also war es natürlich seeehr verlockend das Buch selber zu lesen. Wie bei Herr der Ringe und Harry Potter. Natürlich habe ich es gelesen.

Helena Weide ist eine Hexe, oder auch "Magic Consultant and Solutions" wenn man nach ihrer Visitenkarte geht. "Allerseelenkinder" ist praktisch ein regionaler Hexenfantasykrimi (naja, es spielt in Bonn, aber Bonn ist abgesehen davon, dass es mal Hauptstadt war vielleicht doch nicht gerade eine Weltstadt), in dem die moderne Welt und die magische Welt wunderbar vermischmascht werden, denn abgesehen davon, dass sich Magie und moderne Technik nicht immer ganz vertragen (wie immer in Fantasyromanen) geht es in dem Buch unter anderem um die Integration von nicht-menschlichen Wesen in unsere Gesellschaft, um das eindämmen von Zombieseuchen (Die waren mal Bestandteil von postapokalyptischen Geschichten, dürfen inzwischen aber überhaupt in jedem Buch auftreten) und nebenbei noch jede Menge wahr gewordene Esoterik.
Helena ist so etwas wie ein Privatdetektiv für Fälle, die irgendwie mit Magie zu tun haben (und außerdem Totenbeschwörerin) deswegen wird sie vom Bonner Bürgermeister höchstpersönlich beauftragt, einen Fall zu übernehmen, in dem es um eine verschwundene junge Hexe geht, die gerade schwanger war. Dabei ermittelt sie auf alle möglichen Weisen.

Zuerst mal, ich fand die magische Welt super. Die Zusammensetzung von stinknormalen Elementen und Magie, in einer Welt, in der Letztere eine vollkommen normale Erscheinung ist, die jedermann ein Begriff ist. In der eben auch Feen kriminelle Jugendliche sein können und alles zwar nicht besser, aber auch nicht apokalyptisch schlechter ist als in der Realität.
Helenas Erzählstimme ist super und bringt einen wirklich nett zum Lachen, weil sie ironisch ist, ohne total pessimistisch zu sein und weder Superwoman ist, noch wirklich abgestürzt ist, sondern einfach eine  durchschnittliche Frau, die neben dem übernatürlichen Kram auch das eine oder andere ganz normale, alltägliche Problem hat (auch wenn es nicht immer Probleme sind, die ich habe. Ich habe Schüler- und Teenagerprobleme, Helena hat Erwachsenenprobleme) mit dem man leben muss. Dadurch ist "Allerseelenkinder" wunderbarerweise keine Superheldengeschichte, sondern eben ein netter kleiner Krimi, in dem nicht gleich die Welt untergehen (und dann gerettet) muss, damit etwas passiert. Praktischerweise bekommt sie für ihren Auftrag von der Bonner Stadtverwaltung einen Häftling namens Falk aus einer Arbeitsanstalt (in der Sträflinge als Zombiepfleger arbeiten müssen, weil das eine hochriskante Arbeit ist, die niemand machen will) als Bodyguard gestellt.

Das Wahrwerden lassen von esoterischen Praktiken war...nicht schlecht und hatte schon etwas, allerdings ist das irgendwie keine Magie, die ich voll und ganz ins Herz schließen kann, auch wenn es natürlich auch ein bisschen witzig ist, wenn irgendwelches Zeugs, das ich (so ähnlich, nicht exakt das gleiche) mit elf Jahren wirklich mal selber ausprobiert habe. Weil meine Tante so ein Hexenbuch besaß ("Kithara. Das geheime Wissen einer modernen Hexe") und ich es, wie alle Bücher von Verwandten, bei denen ich wusste, dass die eh nicht gelesen und schon gar nicht vermisst werden, einfach mitgenommen habe (ich war praktisch die Bücherdiebin meiner Familie. Inzwischen mache ich das nicht mehr so selbstverständlich, aber die alten Bücherregale meiner Tanten im Haus meiner Oma wurden nicht nur von mir, sondern auch von meiner Cousine so gründlich geleert. So werden die wenigstens gelesen). Trotzdem, esoterische, weiße Magie mit Bannkreisen und Pentagrammen... ich bin einfach nicht der größte Fan davon.
Daneben muss gesagt werden, dass Helena Weide bei ihren Ermittlungen ziemlich oft kreuz und quer durch die Gegend fährt und dabei aber letztendlich wenig erfährt und das Gefühl hat, dass vieles, was sie tut doch etwas sinnlos ist, wie zum Beispiel eine Nacht, in der sie mit anderen Hexen ein Ritual durchführt, von ihrem Bodyguard Falk vorher einen Selbstverteidigungs-Crashkurs erhält, weil er Angst hat, dass ihr etwas passieren könnte, dann passiert etwas, ohne dass Helena sich irgendwie selbst verteidigen müsste, und das Ergebnis für die Ermittlungen ist eigentlich nicht viel, weil sie nur etwas erfährt, das sie eigentlich zum Großteil schon weiß und einem die ganze Aktion etwas sinnlos erscheint.
Genau das Gleiche mit der Pressekonferenz und ganz vielen anderen Gesprächen, denn am Ende ergaben sie durchaus ein wenig Sinn. Das Problem war, dass dann das Ende plötzlich wie zufällig ergeben schien, als ob der ganze vorherige Kram unnötig gewesen wäre. Am Ende werden Helena und Falk fast wie von selbst an den Ort geführt, den sie suchen.
Die Auflösung, wozu das ganze passiert, ist unerwartet ungewöhnlich und interessant. Allerdings fand ich die Idee dann doch etwas zu seltsam, irgendwie hatte ich nicht das Gefühl, dass es eine saubere Auflösung war. Die Auflösung war so überraschend und seltsam, dass es dann doch nicht ganz recht gepasst hat, nicht so, dass es sich befriedigend anfühlte für mich. Also gab es zusammengefasst schon ein paar Sachen die ich zu bemängeln hätte. Aber das war's eigentlich schon.

Die Welt in der das ganze sich abspielt war aber wunderbar und das Lesen hat Spaß gehabt, außerdem ist das Buch eine erfrischende Abwechslung zu normalen Fantasybüchern die man sonst aufgetischt bekommt, also... kann ich abschließend eigentlich sagen, dass ich es jedem weiterempfehlen kann, der gerne etwas verrücktere Charaktere mag, etwas mit Indiebüchern anfangen kann und überhaupt ungewöhnliche Fantasyausschläge sympathisch findet. Wer unbedingt auf eine ganz ausgefeilte Handlung hofft (nicht das ich deine Arbeit nicht wertschätze, Diandra, aber es war nicht schwer zu folgen oder so) oder mit ungewöhnlicher Fantasy abseits von mittelalterlichen Elbenwelten und vampirigem Urban Fantasy nichts anfangen kann ist hier halt nicht bedient, aber darauf kann man, finde ich, auch mal verzichten, wenn man einfach mal ein bisschen lachen und sich in eine andere Welt entführen lassen möchte.

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