Wednesday, December 02, 2015

24 Bilder, 2.Türchen -Kleopatra im Wunderland mit zwölf


Diese Bilder haben eine lange Geschichte. Sie ist ein bisschen verrückt, ein bisschen traumatisch und voll von Widersprüchen. Schaut sie euch an. Das Mädchen auf den Bildern bin ich. Falls ihr auch das Gefühl habt, mich darin nicht so wiederfinden zu können: Ich kann mich selbst manchmal nicht darin wiederfinden. Falls ich aussehe, wie ein überschminktes pubertierendes Mädchen, genauso stellt es sich dar. Und sie stellen das dar, was ich mir am meisten gewünscht hatte und dann doch genauso sehr hasste.

Als ich etwa zehn und elf Jahre alt war, gab es in einem Kaufhaus in der nächstgrößeren Stadt diese tollen Bilder ausgestellt. Ein Mädchen, das da kniete und ein Elfenkleid trug, im Hintergrund ein bildschön gemalter Wald. Ein Junge, der in voller Rüstung auf einem Feuerspeienden Drachen ritt. Andere Mädchen, die auch Elfen, Nymphen und Meerjungfrauen waren. Bilder, die so wunderschön unirdisch und fantastisch aussah, und die mich, die aus ihrer Elfenphase noch lange nicht rausgewachsen war -das bin ich genau genommen auch heute nicht, aber das ist eine ganz andere Geschichte- sehr beeindruckten und faszinierten.

Bilder, die natürlich bearbeitet waren. Das verstand ich schon damals und es war auch nicht versteckt, man sah es sofort. Aber das störte mich nicht weiter. Ich wollte auch so ein Bild von mir haben. Ich als Märchenelfe, unbedingt, auf jeden Fall. Ich träumte von mir selbst als Elfe mit Flügeln, das tat ich damals oft und auch wenn meine glitzernden Feenflügel schon lange nicht mehr da waren, fand ich trotzdem den Gedanken von Magie und Fliegen wunderbar und herrlich. Besonders das Fliegen, ich träume heute immer noch davon, einfach abzuheben und irgendwohin davonzufliegen. Aber irgendwann wollte ich nicht bloß träumen, nicht bloß es mir vorstellen -ich hatte so klare Vorstellungen davon, wie ich so ein Bild von mir haben wollte!- sondern ich wollte es haben. Ich sprach mit meiner Mutter darüber. Und sie meinte, es sei etwas großes, ich sollte es mir also zum Geburtstag wünschen. Was ich tat. Es war einer dieser Geburtstage, wenn man sich als Kind etwas Größeres wünscht und deshalb sich am Geburtstag seltsam leer vorkommt, da man, gerade weil man sich etwas Größeres gewünscht hat, mit nichts Handfestem zum Auspacken dasteht und nur einen symbolischen Gutschein und ein bisschen Schokolade dafür bekommt. Das ist im Grunde genommen fair.


Einige Wochen nach meinem Geburtstag, wenn ich meine Mutter nicht daran erinnert hätte, hätte sie es schon wieder vergessen, fuhr sie endlich mit mir zu dem Fotogeschäft, das diese Elfenbilder im Kaufhaus ausstellte. Im Inneren waren noch mehr der fantastischen Bilder und meine Herz begann sich zu überschlagen. Ich war begeistert und total hibbelig und aufgeregt. Meine lebthafte Fantasie lief auf Hochtouren und ehrlich gesagt lief sie heiß. Bis der Verkäufer meiner Mutter den Preis nannte. 300€ für ein Bild? Das war meiner Mutter viel zu viel. Und klar, für ein einziges Bild, das dann so teuer ist. Die Bilder waren sehr aufwändig und hochwertig. Sie wurden jeweils zu einem digitalen Kunststudio nach Korea geschickt, das eben entsprechend viel dafür verlangten. Es war wirklich erstklassige Kreativarbeit. Aber dreihundert war schon sehr viel. Für ein Bild, das wirklich wunderschön gewesen wäre. Ich natürlich weiß nicht, ob ich es schaffen würde, je so lange zu sparen, dass es für so ein Bild reichen könnte. Wahrscheinlich nicht. Vorher würden immer Bücher, Bücher und noch mehr Bücher kommen. Nun hätte meine Mutter folgendes tun können: Sie hätte es mir konsequent ausreden können. Sie hätte mir einen Stapel Bücher kaufen können, und ich wäre glücklich gewesen. Es wäre einfach gewesen. Nein sagen und mir einen wirklichen Deal anbieten. Mit ein bisschen Rückgrat, wenn sie einfach gesagt hätte warum und wieso und dass es ihr nicht angemessen erschien. Stattdessen meinte sie, dass ich in China so ein Bild mindestens genauso schön kriegen könnte und das vieeeel billiger. Mindestens genauso schön.


Als wir in dem Jahr in China waren, zwei Wochen in den Sommerferien, nur meine Mutter, mein Bruder und ich, ohne Papa, da sollte ich mein Bild kriegen. Am Tag davor waren wir beim Friseur und meine Mutter und ich hatten einen Streit, weil ich mich weigerte, mir mehr als die Spitzen schneiden zu lassen. Sie fand, ich sollte mehr aus meinen Haaren machen. Das machte mich ziemlich wütend, also verlangte ich von der Friseurin, dass sie mir die Haare bis auf Schulterlänge abschnippeln sollte. Ohne Worte, weil mir mein Chinesisch schon damals abhandengekommen war, aber ich hatte danach deutlich weniger Haar als vorher. An meinem Fototermintag waren meine Haare also gerade eben frisch geschnitten, ich fühlte mich blöd weil man  so kurze Haare nicht hinters Ohr streichen kann und dann sind sie aus dem Weg. Ich hatte so wilde Feenbilder im Kopf, aber als ich dann dort im Fotostudio saß, wusste ich, dass ich hier nie im Leben so ein Bild kriegen würde wie von dem Fotostudio am Kaufhaus. Alle meine Vorstellung von mir als barfüßiger Elfe oder auf einem Drachen reitend waren nicht da, aber ich brachte den Mund gegenüber meiner Mutter und gegenüber den Fotographen kaum auf. Was sollte ich sagen, was konnte ich erwarten? Ich wusste, dass sie mich nicht so malen könnten. Und ich traute mich kaum, chinesisch zu reden, weil nämlich meiner Mutter zu Hause nie mit uns chinesisch redete und ich es kaum konnte. Ich konnte also auch nicht ohne meine Mutter den Leuten im Fotostudio heimlich anvertrauen was ich wollte, ohne dass meine Mutter es wissen würde. Das einzige Stichwort, das ich also gab, war "Alice im Wunderland"


Für mich war Alice im Wunderland nicht ganz das gleiche, was es wörtlich für andere bedeutet. Alice im Wunderland war für mich nur ein Beispiel, eine Idee, ein Mädchen, das sich in einer anderen, fantastischeren Welt wiederfindet, genau wie Wendy aus Peter Pan. Es war für mich nur die Idee von mir selbst als einer barfüßigen Elfe, es bedeutet eben ein Bild, in dem ich immer noch ich selbst war, aber in einer anderen Welt stand. Für die Leute in dem billigen Fotoladen in China war es, dass sie mich in Filmbilder aus dem damals aktuellen Alice im Wunderland Film photoshoppten. Ich bin Mitschuld daran, dass ich nicht sofort widersprochen und klar gesagt habe, was Alice im Wunderland für mich wirklich bedeutete. Aber ich war so enttäuscht, dass sie mein Konzept und meine Idee nicht verstanden, dass ich es in dem Moment, als sie nach Bildern von Alice im Wunderland recherchierten, es selber aufgab, noch irgendwie einzugreifen. Ich wusste, dass sie es trotzdem nicht verstehen würden und dass ich sowieso nie das fantastische Bild aus meinen Träumen kriegen würde. Es hätte für mich ein wenig besser laufen können, aber das tat es nicht. Dumme zwölfjährige Mulan.


Das eigentliche Fotostudio lag nicht in dem Laden, sondern woanders, in einem Kaufhaus, in dem es nebenbei auch noch ein Nagelstudio gab und wo meine Mutter mich hinterher zusätzlich zu dem ganzen Scheiß auch noch dazu überredete, mir die Nägel aufwändig lackieren zu lassen. In dem Fotostudio war es schwül und es gab einen ganzen Fundus an Klamotten, die man sich für die Fotos aussuchen konnte. Ich habe ewig gebraucht, bis ich endlich ein weißes Kleid gefunden hatte, das möglichst ohne Rüschen und sonstigen Schnickschnack war. Ich fragte mich, warum ich das tun sollte. In den Bildern von den Elfen hatten die Mädchen weiße Leggings und T-Shirts and und waren lediglich digital im nachhinein mit Elfenkleidern übermalt worden. Es war definitiv nicht "genau so" wie meine Mutter mir suggeriert hatte. Und dann der Steit um die Schuhe. Ich bekam zuerst passende schneeweiße Schuhe. Mit so hohen Absätzen, wie es für eine Zwölfjährige eigentlich nicht sein sollte. Ich weigerte mich, bis wir die anscheinend einzigen Damenschuhe in dem ganzen Fundus fanden, die flach waren. Damenschuhe, weil ich meine Chucks ebensowenig anziehen durfte wie barfuß gehen, obwohl ich doch eine barfüßige und freie Elfe sein wollte. Weil der Boden soooo dreckig war, und ich sollte doch schön aussehen.


Und dann kamen die absurdesten zwei Dinge. Erstens, das Korsett. Ja, es ist so absurd, dass es fast zum Lachen ist. Ein Korsett! Für ein zwölf Jahre altes Mädchen. Ich wollte überhaupt nicht. Klar, ich war pummelig und das Korsett drückte mir den Bauch rein, aber was war denn so falsch daran, ein bisschen pummelig zu sein.  Aber ich finde es falsch, einen zwölfjährigen Mädchen zu sagen, es sei zu dick. Für mich war das eine Provokation und eigentlich hat meine Mutter es damals, als sie es ansprach, überhaupt erst zum Problem gemacht. Okay. jetzt wo ich sechzehn bin, finde ich es schon in Ordnung, wenn sie mir sagt, dass ich abnehmen soll. Gesund ist das nicht. Aber einem zwölfjährigen Mädchen? Für mich war das übrigens damals jedes Mal der Anlass mir auf Festen den Bauch möglichst vollzuschlagen, Mama sollte bloß nicht glauben, sie hätte darüber zu bestimmen.
Ich fühlte mich in dem Korsett so verdammt unwohl, aber ich konnte nicht einmal genug Chinesisch um DAS der Frau zu erklären, die mich einkleidete und schminkte.

Und schminkte. Ich habe mich noch nie selbst geschminkt. Außer für den Fasching oder mit so einem schwarz-rot-gelben Stift für die Fußball WM. Die Frau puderte mich nicht bloß und gab mir nicht bloß Lidschatten, Lidstrich und weiß der Teufel was drauf. Die Dame rasierte mir die Augenbrauen. Als eine Freundin von mir das Bild bei einer Übernachtung bei mir hängen sah, erzählte ich auch davon, und fragte eigentlich rhetorisch: "Ich meine, wer rasiert schon einem zwölfjährigen Mädchen die Augenbrauen?" Und meine Freundin meinte: "Ich sag nur Tribute von Panem". Und es war wirklich wie bei den Hungerspielen. Ich bekam zwar ein Bild, das ich mir gewünscht hatte, auch wenn ich es mir ganz anders vorgestellt hatte, aber vo Gefühl her war es so, als sei einfach gar nichts an mir mehr in Ordnung. So als könnte mein natürliches, barfüßiges Ich ohne Schminke, ohne Korsett, ohne Schuhe und mit meinem ganz normalen Augenbrauenbewuchst nicht schön sein. Als wäre es nicht schön, einfach normal zu sein. Ich habe sehr ordentliche Augenbrauen, ja? Das sind glatte Härchen, die sich ordentlich auf meiner Stirn anordnen und die ich nie auch nur zu zupfen bräuchte. Aber nach chinesischen Verhältnissen -weil fast alle Chinesen relativ ordentliche, unbuschige Augenbrauen haben, allgemein sind asiatische Haare einfach glatt- sind meine Augenbrauen nicht in Ordnung. Das einzige bisschen selbst und Eigenwilligkeit dass mir sowohl von meiner Mutter als auch von der Schminkdame zugestanden wurde, war das rosa Bändchen, das ich um den Arm trage. Es ist rosa, aber ich hatte es selbst geknüpft, im Ferienlager, an der frischen Luft, wo wir Abenteuer spielten und ich meine braune Katniss-Everdeen-Jacke anhatte (Ja, so habe ich sie wirklich genannt. Zumindest in Gedanken. So ein braungrüne Jacke mit vielen Taschen, in denen man Zeugs sammeln kann) und wo ich mich selbst echt anfühlt. Das ist ein paar Tage später beim Schwimmen im verdreckten Fluss verloren gegangen.

Allein schon der Gedanke daran drückt mir die Luft aus der Lunge. Warum habe ich keinen einzigen Moment lang laut "Halt!" geschrien und gesagt, dass das ganze so gar nicht meinen Vorstellungen entsprach? Aber ich hatte damals überhaupt kein Selbstbewusstsein und überhaupt keinen Mut zu widersprechen. Ich durchstand alles also in Korsett, Schminke und Schuhen, auch wenn ich weder glücklich, noch zufrieden damit war. Mit gequältem Gesicht und meine Mutter und der Fotograph, der jung und nett war und überhaupt nichts dafür konnte, taten alles, um mir wenigstens ein klitzekleines Lächeln zu entlocken. Aber sie kapierten nicht, dass das einfach immer noch nicht das war, was ich mir gewünscht hatte, dass ich eigentlich das alles gar nicht wollte. Ich sah weder aus wie eine barfüßige Elfe, noch wie ich selbst, noch wie Alice im Wunderland. Ich sah aus wie Kleopatra im Wunderland mit zwölf. Hübsch und schön und gefällig sind die Bilder ja dann auch geworden. Für den Preis den meine Mutter gezahlt hat, total fair. Ich hatte bloß nicht das Gefühl, dass es sich gelohnt hatte, für diese Bilder auf sonstige Geburtstagsgeschenke zu verzichten.

Das, was der Mann im Fotostudio danach in Photoshop veranstaltet hat, war so einfach und billig, dass ich es selber hätte machen können. Noch im selben Jahre hatten wir in der Schule Bildbearbeitung im ITG-Unterricht gelernt und ich wusste damals schon, dass er lediglich eine Maske um meinen Umriss zog und mich dann sehr simpel auf das aus dem Internet heruntergeladene Foto gepappt hat. Und die starke Bildbearbeitung, bei der er wirklich meine Haut glatt wie nochwas gezogen hat. Zur Information: Ich bin behaart wie ein Affe. Und da meine Haare schwarz sind, sieht man das sehr deutlich. Ich rasierte mich damals nicht dort und tue es immer noch nicht. Und in einer normalen Welt als der Photoshop-Welt würde man das auch sehen. Ich finde es ganz normal, Haare am Körper zu haben, sie sind im Prinzip aus dem gleichen Material wie die Haare auf dem Kopf. Aber in China hat man kein Problem, etwas so zu bearbeiten, dass es ziemlich offensichtlich unnatürlich ist. Er hat mir sogar extra zufällige graue Striche auf das zweite Bild gemacht, um es offensichtlich zu machen. Ehrlich gesagt, das war ziemlich schlampig. Und bis ich die Datei gefunden hatte, dachte meine Mutter jahrelang, das Bild hätte Risse, weil ich es fallen gelassen hatte.

Ich gebe zu, das ist nicht spektakulär. Es ist sogar eine ziemlich kindische Geschichte. Aber das liegt daran, dass ich damals ein Kind war. Aber es erinnert mich daran, Bildern nicht zu trauen. Es war so ziemlich das traumatischste, was mir in Sachen Schminke je passiert ist, nicht mal wegen der Schminke, aber wegen der rasierten Augenbrauen, durch die ich mich gar nicht mehr wie Mulan, sondern wie jemand anderes fühlte. Es ist kindisch, wegen meiner Vorstellungen von Waldfeen, aber es macht mich immer noch unglaublich wütend, dass meine Mutter es als selbstverständlich richtig empfand, dass ich geschminkt wurde, wenn ich es nicht wollte. Wäre doch wirklich kein Riesenproblem gewesen, oder? Ich meine, im Fernsehen wird oftt auch nur gepudert, damit man nicht so glänzt und sonst nicht viel gemacht. Stattdessen musste ich das alles ertragen.

Meine Mutter sagt, es geht ihr nicht um die Schminke, und sie trägt zugegeben auch nicht viel Schminke. Aber das nächste was sie sagt ist, dass es nicht um die Schminke geht, sondern darum, einen Sinn für Schönheit zu entwickeln. Und das macht es nicht viel besser. Ich glaube nämlich, dass ich durchaus einen Sinn für Schönheit habe. Ich muss es aber nicht immer nur hübsch und gefällig haben. Irgendwo muss es auch Brüche in der Ästhethik geben. Rein Ästhethisch und dem Schönheitsideal nach sind diese Bilder also schön. Innerlich macht es mich bloß wütend, dass das alles nötig war. Ich könnte mir inzwischen solche Bilder mit etwas Mühe auch selbst malen. Bloß, unter diesen Umständen, sind diese Bilder dann noch schön?

9 Kommentare -gib deinen Senf dazu:

  1. Das ist ja tatsächlich eine ziemlich traurige Geschichte. Klar, schön sind die Bilder schon, aber man sieht ihnen doch auch an, wie unglücklich du in dem Moment warst, da sie geschossen wurden. Das erinnert mich ein wenig an die vielen kleinen Mädchen, die geschminkt und eingekleidet werden, um danach auszusehen wie eine Barbiepuppe (nichts für ungut ;) ) Und natürlich muss man einen "Sinn für Schönheit" entwickeln. Meiner Meinung nach ist das aber ein ziemlich vager Begriff und so ein individueller Sinn entwickelt sich ja noch früh genug von selbst. Ich für meinen Teil sah mit zwölf noch aus, als hätten meine Eltern meine Kleider regelmäßig aus dem Altkleidercontainer gestohlen, im Nachhinein bin ich aber doch ganz früh - klar, früher wollte ich immer erwachsener wirken, aber mittlerweile hat sich auch dieser Drang gelegt und ich kann über die schrecklichen Bilder aus meiner Kindheit lachen. Die Redewendung ist zwar alt, aber Schönheit kommt von innen :) in diesem Fall passt es finde ich...
    Übrigens lustig, dass du auch auf die Idee gekommen bist, einen Adventskalender zu bloggen, finde ich super. Ja, und nimm dir nicht zu viel vor, Kit und ich stehen auch schon fast vorm mentalen Zusammenbruch ;)
    Liebe Grüße von der Sonderbar

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    1. Den Drang, erwachsener zu sein, als ich war, hatte ich nie. Ich war eins dieser Mädchen, die so früh in die Pubertät kommen, dass deswegen extra lieber in weiten Kapuzenpullis rumlaufen. Ich meine, ich hatte mit zehn schon einen ziemlichen Busen, zumindest für mein Alter, das war nicht normal. Es war eher so, dass ich davor eine ziemlich schrille Rosaphase hatte, mit rosa Prinzessinenkleidchen, Krönchen, Feenflügeln, rosa Nagellack, etc. bis mir das selbst zu viel wurde. Meine Mutter hat meine Umstellung von rosa auf Verweigerung jeglicher Hygiene nie verstanden. Auch wenn das manchmal absurd war, wie sie mich jedesmal angeschissen hat, weil ich mir nicht mal mehr das Gesicht waschen wollte. Das war eher eine Trotzreaktion darauf, wie zickig sie immer reagiert hatte, sobald ich ein einziges Mal morgens in der Hektik vergaß, mich zu waschen, was doof war, weil für mich ja Hygiene selbst nicht das wirkliche Problem war. Aber meine Mutter dachte ernsthaft, ich verweigere mich der Sauberkeit... okay, hören wir auf mit diesem traurigen Gewäsch von gestern :D
      Innere Schönheit it auch so eine Frage. Was ist innere Schönheit? Wenn man sich selbst schön findet? Wenn man seinen eigenen Körper trotz aller Makel mag? Wenn man ein guter Mensch ist? Das ist auch so diffus definiert...
      Tägliches Bloggen ist das reinste Hamsterrad. Aber einfach drüber lächeln und machen und ignorieren, dass man am Montag Mathe schreibt und eigentlich besser darauf lernen sollte.

      liebe Grüße, Mulan :-)

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  2. Als ich die Bilder gesehen habe, wollte ich erst gar nicht glauben, dass das wirklich du bist, weil ich ein ganz anderes Bild von dir hatte - einfach bloß von der Atmosphäre her, so kalt und glatt und perfekt. Und stimmt, es ist wirklich eine traurige Geschichte mit so vielen Ecken und Kanten; zerplatzte Träume, im falschen Moment gefangen sein, nicht seine Stimme erheben wollen, obwohl man es könnte und sollte und ...
    Das ist wirklich krass, Korsett und Augenbrauen rasieren - bitte was? Das fände ich auch jetzt mit 17 absolut furchtbar, aber wenn man erst mal in so eine Situation gerät, ist das ja was ganz Anderes, als wenn ich das jetzt lese (oder eher gestern, aber da war ich nicht mehr fähig, zu tippen). Ich habe mich anfangs fast immer geschminkt für Fotos, nicht so krass, aber schon ein bisschen - im Moment lasse ich das oft sein, wenn ich nicht irgendeinen bestimmten Effekt erzielen will, retuschiere ein paar grobe Sachen weg, aber hey, ich habe Poren wie jeder normale Mensch auch und dieser überspitzte Schönheitswahn geht mir langsam immer mehr auf die Nerven. Natürlich ist man nie so ganz zufrieden, ist nicht so, als würde ich mich nicht freuen, wenn ich sehe, dass ich zwei Kilo abgenommen habe, aber ich merke im Moment so sehr, dass es mir eigentlich total egal ist, ob ich Menschen äußerlich "attraktiv" oder "schön" finde, bei beiden Geschlechtern. Das ist zu einem großen Teil eben Genetik und es ist schrecklich, dass man als Viereck in eine runde Form passen soll, weil die Gesellschaft das sagt, weil deine Visagistin das richtig findet, weil die Fotografen ein Korsett für total normal halten.
    Irgendwo verzettele ich mich gerade wieder. Also, kurz; irgendwo sind die Bilder natürlich schön, aber nicht mit dieses Geschichte. Und ich glaube, wenn man dich einfach mal einen einer sonnigen Wald stellen, so wie du bist, mit einem halbwegs lichtstarkem Objektiv wahllos rumknipst - dann sähe das ohne viel Aufwand schon mal ein großes Stück fabelhafter aus.

    Alles Liebe und ein schönes Advents-Wochenende,
    Mara

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    1. Das ist das verrückte und ich hadere mit diesen Einstellungen meiner Mutter ja immer noch. Vielleicht bin ich selber auch ein bisschen extrem in meiner Haltung, immer alles infrage zu stellen und absichtlich jeden zu provozieren, aber sie sieht immer Probleme, man dürfe bestimmte Dinge auf gar keinen Fall tun, obwohl nirgends steht, dass sie verboten sind und das reizt mich auf Dauer.

      Im Grunde stimmt es, wenn meine Mutter sagt, dass ich mehr wiege, als gesundheitlich gut tut. Wenn sie sagen würde, dass sie Angst hat, ich könnte Diabetes oder Knieprobleme bekommen, könnte ich das verstehen, aber sie kommt dann doch wieder mit ihrer "das ist nicht schön"-Masche und sagt, ich könnte so schön sein, ich frage sie, ob ich denn nicht schön wäre und sie fügt hastig hinzu: "Schöner". Ach Mama. Und das alles ist einfach ihr tief verwurzeltes Weltbild. Ansonsten käme ich eigentlich recht gut damit klar, aber sie stellt mich dabei auch immer als unselbstständig und unverantwortlich dar, wenn wir dann wirklich im Gesundheit diskutieren, ohne den Gedanken zuzulassen, dass ich selber schon auf die Idee gekommen wäre.

      Wenn man Menschen lange genug betrachtet, kann man in jedem eine Art von Schönheit entdecken, es sei denn jemand hat sich das durch äußere Einflüsse komplett ruiniert, aber ich finde, die meisten Leute sind von Natur aus irgendwo hübsch. Selbst Leute, die mir nicht übermäßig sympathisch sind. Es gibt glaube ich nur einen einzigen Menschen, der mir so unsympathisch ist, dass es einfach nicht geht.

      Das ist natürlich außerdem China, wo die Sache mit den Schönheitsidealen noch heftiger ist. In Europa wäre es in vielen Fällen kontraproduktiv, wenn man auf einer Werbung zu viel retuschieren würde, weil man hier auch kritisch damit umgeht. aber dort wird einfach umgehemmt alles gemacht um alle Illusionen aufrecht zu erhalten. Vermutlich hast du die Fernsehsendung am chinesischen Nationalfeiertag noch nie gesehen, aber das ist purster Propagandakitsch, den man in Europa so nie bringen könnte, weil de meisten Menschen bei uns merken würde, dass sie verarscht werden.
      Ich schätze, ein großer Teil der chinesischen Wirtschaft beruht darauf, dass keiner den Menschen dort beibringt, kritisch mit Medien umzugehen. Ich gebe zu, dass ich das nicht zu 100% beurteilen kann, weil ich kein Chinesisch kann, aber die Bilder aus dem Fernsehen und Erklärungen meiner Mutter sind eigentlich sehr aufschlussreich. Nicht, dass es nicht dort auch zu viel werden kann, Ich hab mal gelesen, irgendein Schönheitswettbewerb-Fernsehshow wollte nur Teilnehmerinnen mit einem bestimmten Abstand zwischen den Brustwarzen zulassen, aber das war dann doch zu abstrus.

      Du, weißt du was? Seit ich deinen Blog lese, steht das auf meiner Wunschliste :D Aber als ich mal gefragt habe, ob ich mal mit der guten Kamera, die bei uns im Schrank verstaubt, weil meine Eltern eigentlich nur noch mit ihren iPhones fotographieren, war die Antwort Nein, ich könnte sie ja kaputt machen. Bei uns gibt es allerdings in unmittelbarer Nähe keinen Wald. Wir leben hier zwar im prozentual waldreichsten Landkreis Baden-Württembergs, aber ich lebe genau in der Stadt, die weit weg von allen Wäldern ist. (woah! Damit kannst du natürlich hervorragend herausfinden, wo ich wohne ;-) ) also würde ich wohl eher auf der Schafheide oder zwischen Kalkfelsen meine Fotos schießen :D

      Danke :-)

      lg Mulan

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  3. Ich finde die Fotos sehr schön und jetzt im Nachhinein siehst du wirklich ein bisschen gequält und auch reinmontiert aus. Traurige Geschichte, aber interessant :)

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    1. Naja, man merkt egentlich total, dass die alle gephotoshoppt sind... sie haben ja immer wieder versucht mich zum Lachen zu bringen. Es gibt auch eins, bei dem man das sehr deutlich sieht, aber das Bild war zusammen mit meinem Bruder und das muss ich nicht unbedingt zeigen :-)

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    2. Wenigstens hat er dich schön ausgeschnitten. Also nicht so schief, dass man richtig sieht: Da war KEIN Profi am Werk ;)

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    3. Ja, aber die Striche auf dem zweiten sehen doch eigentlich extrem unprofessionel aus, wenn du genau hinsiehst... Vergrößer es dir mal, dann siehst du es.

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    4. Ja, okay. Stimmt. Voll schade eigentlich.

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