Thursday, April 09, 2015

"Die Seiten der Welt" -Kai Meyer

Wurde ja letztes Jahr stark beworben, also ist vermutlich jeder, der sich im Büchernetz herumtreibt schon damit in Berührung gekommen. Unter anderem wurden unschuldige Buchblogger dazu angehalten, Werbebanner auf ihren Blogs einzubinden, in der vagen Hoffnung dabei ein Exemplar gewinnen zu können. Was macht die kleine Mulan natürlich? Macht mit. Und kauft sich am Ende das Buch natürlich trotzdem von ihrem eigenen Geld.

Dank seiner Thematik und der großaufgelegten Werbekampagne hat das Buch natürlich ziemlich viele Leute neugierig gemacht. Ich glaube, sobald es um Bücher geht, die von Büchern handeln setzt mein Gehirn so ein bisschen aus. Ich liebe solche Bücher, auch wenn sie absurd sind. Vermutlich würde ich selber gerne mal ein Buch über Bücher schreiben. Aber darum geht's eigentlich nicht.

Eigentlich halte ich nicht so viel von Kai Meyer. Ich hatte irgendwie das Pech, dass das erste Buch, das ich von ihm erwischt habe, der zweite Band der "Arkadien"-Trilogie war, danach habe ich "Drache und Diamant" erwischt -den letzen Band einer im China des 12. Jahrhunderts spielenden Fantasytrilogie- und daraufhin "Die fließende Königin" das zum einen nicht abgeschlossen war und mir zum anderen nicht besonders gefallen hat. Was blöd war. Und mir eigentlich keinen Grund gab, noch mehr Bücher von ihm zu lesen, auch wenn ich noch keine einzige Buchreihe von ihm jemals abgeschlossen habe, bzw. irgendwie in der richtigen Reihenfolge gelesen habe. Aber dadurch bin ich extra offen, aber mit heruntergschraubten Erwartungen an das Buch rangegangen, um zu sehen, ob es mich noch überraschen kann.


Aber bei "Die Seiten der Welt" gehöre ich offenbar exakt zur Zielgruppe. Wie das so ist. Es handelt von einer fünfzehnjährigen Furia Salamandra Faerfax im Jahre 2014. Ich glaube, das ist das erste Buch, bei dem ich quasi zur Buchgeneration dazugehöre. Ich meine, klar, ich war elf als ich Harry Potter gelesen habe, ABER da war das Buch auch schon ein paar Jährchen alt... lassen wir jetzt endlich den Teil mit dem Hintergrundwissen hinter und und kommen zum Buch? Okay.

Furia lebt auf einem alten, etwas heruntergekommenen Anwesen und gehört zu einer alten Familie von Bibliomanten, Menschen, die mithilfe von Büchern zaubern können. Ihre Familie hat aber aus (ungeklärten) Gründen den Ruf und Einfluss in der magischen Bücherwelt verlorebm also versucht ihr Vater den Ruf der Familie wiederherzustellen, indem er das Werk des Vorfahren, der die Familie in den Ruin gestürzt hat, zerstört und Furia begleitet ihn dabei.
Bei einem Ausflug werden aber einige Dinge in Gang gesetzt, die dazu führen, dass Furia -deren Leben nur weniger Wochen zuvor noch ziemlich eintönig war- sich plötzlich mit den ganzen Problemen der magischen Bücherwelt konfrontiert sieht, mit denen sie, wie üblich in solchen Geschichten, vorher nichts zu tun hatte. Unter anderem wird ihr kleiner Bruder Pip (Zwölf Jahre alt, also nur einen Ticken älter als mein Bruder. Kai Meyer muss dieses Buch wirklich für mich geschrieben haben) entführt und natürlich muss Furia ihn retten. Kennt man ja.
Die Idee von riesigen unterirdischen Bücherlabyrinthen, Bücherstädten, in denen sich alles nur um Bücher dreht und von Figuren, die aus der Welt ihrer Bücher in die Realität stürzen, kam mir auch ziemlich bekannt vor und ich habe am Anfang auch nicht wirklich geglaubt, dass mich irgendetwas überraschen kann. Okay, das hat es am Ende auch nicht wirklich, aber neben der Tatsache, dass Bibliomanten erst mit ihrem "Seelenbuch" die Bibliomantik richtig nutzen können, dem Wald der toten Bücher, in dem Bücher verbuddelt werden und dann wieder zu (buchstabengespickten) Bäumen werde und dem Teleport mit zwei Büchern der gleichen Ausgabe fand ich es eigentlich ganz nett, über solche altbekannten, aber trotzdem faszinierenden Ideen zu lesen. Seine neuen Ideen waren nämlich nicht ganz so genial und dann hat Kai Meyer eben nicht das Rad neu erfunden.

Die Handlung hätte ich gerne etwas abgerundeter gehabt. Sie war zwar in sich abgeschlossern und auch wenn das Ende Raum frei ließ, war sie zufriedenstellen, aber sie war mir ein bisschen zu verzweigt. Oder nicht verzweigt genug, wie soll ich das sagen. Man folgt quasi größtenteils Furia durch die Geschichten, begegnet immer wieder neuen Charakteren, biegt dann ab, und die Richtung, in die Furia nicht geht, wird einfach komplett fallen gelassen. Das ist blöd, weil einige Charaktere, mit denen sich Furia durchaus einige Zeit beschäftigt, am Ende kaum noch Erwähnung finden und deren Geschichte am Ende des Buches in ein oder zwei Sätzen erzählt wird. Da sich die ganze Handlung aber nur über wenige Tage hin erstreckt, erscheint es mir einfach unnatürlich, dass ein Charakter einfach so beiseitegeschoben wird. Bei drei Figuren, nämlich Kyriss, dem Milizionär, der hinter Furia her ist und Jeremiah (merke: wenn die Hauptfigur mit einer Person ein Gespräch führt, darf das nicht einfach so ins Leere laufen) hat mir das besonders gefehlt.
Dafür wurden selbst über die Mitte des Buches hinaus noch neue Figuren eingeführt, die kaum eine Rolle spielen, mit denen man sich aber trotzdem beschäftigen muss. Deswegen war ich dann bei einigen Figuren überrascht, als sie dann doch so eine wichtige Rolle gespielt haben. Denn anfangs machten sie leider exakt den gleichen Eindruck wie die Nebenfiguren, die fallen gelassen wurden. Man hätte diese Nebenfiguren nicht einmal wichtig werden lassen müssen, aber wenigstens einen Absatz statt der wenigen Sätze mit denen sie bedacht sind, hätte ich doch gerne gehabt.
Zu manchen Figuren gab es außerdem nicht genug Hintergrundwissen. Besonders mit Mater Antiqua, der Umgarnten und Isis Nimmernis hätte ich am Ende doch ein bisschen Erklärung gewünscht. Selbst bei letzterer, deren Ziehvater man begegnet, gab es für mich ein paar Ungereimtheiten. Die drei waren zentrale Figuren aber meiner Meinung nach noch nicht ausreichend beleuchtet.
Cat und Finnian fand ich als Charaktere selbst auch nicht ganz ausgereift, außerdem war ihre Liebesgeschichte irgendwie... mit Holzbrettern konstruiert und nicht ganz stabil flüssig, so dass man sich beim Lesen nicht ganz wohl gefühlt hat. Außerdem möchte ich sagen, dass der Part mit Finnian als Terrorist (Original mit Sprengstoffgürtel um den Bauch) einfach seltsam war und überhaupt nicht in das ganze Buch gepasst hat. Nebenbei bemerkt gab es in diesem Buch Pfuschereien mit der Zeit, zwar nicht durch Zeitreisen, aber durch Botschaften die über die Zeiten hinweg ausgetauscht waren und die zum einen interessant, zum anderen unlogisch waren.

Falls ihr euch fragt, ob ich über dieses Buch noch etwas gutes zu sagen habe:
Ich mag es eigentlich. Es hat ziemlich viele Schwächen aber ich mag es für die Magie die es verbreitet, für das süße kleine Lesezeichen das gleich mit drin war und einfach dafür, dass es dann doch ein paar Details gab, die man genüsslich verschlingen konnte. Die Welt des Buches hat mir nicht immer gefallen, aber meistens habe ich mich gerne darin aufgehalten. Furia war eine sympathische Protagonistin. Es ist ein Buch über Bücher. Es war zumindest nicht schlecht geschrieben und eine nette Lektüre. Und ich möchte Kai Meyer trotz allem verteidigen: Er hat sich zwar vieles zusammengeklaubt und Ideen genommen, die schon andere genommen haben, aber fast jeder High Fantasy Autor kopiert von Tolkien, also warum sollte Kai Meyer sich nicht einfach in das Minigenre "Bücher über Bücher" einreihen? Ich lese so etwas gerne, egal wie viele Fehler.

Falls ihr zufällig fantasygierige Mädchen zwischen zwölf und sechzehn seid kann ich das Buch auf jeden Fall empfehlen, genau wie jedem bücherverrückten, der gern Bücher über Bücher liest und geflissentlich über Parallelen zu "Tintenherz" und "Die Stadt der träumenden Bücher" hinwegsehen kann. So wie ich das getan habe...

Hatte ich schon erwähnt, dass dieses Buch von Büchern handelt?

eure bücherfressende Mulan

P.S. Ja, die kleine Origamigraphik habe ich mir aus den Bannern von seiten-der-welt.de zusammengebastelt, aber da ich hier ja auch über das Buch schreibe, darf ich das doch, oder? :D

6 Kommentare -gib deinen Senf dazu:

  1. Weil ich total fertig bin und meine Konzentration sich so gut wie im Minus-Bereich befindet, hab ich deine Rezi nur überflogen. Eigentlich wollte ich das Buch auch unbedingt haben, dann hab ich viele Rezis mit negativer Kritik gelesen und dann hat mich noch meine Liebe zum Fantasy verlassen und jetzt hab ich es immer noch nicht gelesen und irgendwie hab ich auch keine Lust dazu, weil Fantasy mich grad nur nervt. Keine Ahnung, wie das passieren konnte.

    Kurze Frage: Wie lange dauert eine Kommimeister-Saison bei dir? Weil ich in letzter Zeit eigentlich (gefühlt) so gut wie nirgends Kommentare hinterlasse... Oh mann, irgendwie deprimierend, keine Lust zu bloggen, keine Lust zu kommentieren, keine Lust auf Fantasy, was ist nur los mit mir????????

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    1. Ich lese Rezensionen zu Büchern, die ich nicht kenne selten, nur von Leuten, denen ich über den Weg traue, also deren Meinung meistens meiner eigenen widerspricht (und ähm, ich gebe zu, du gehörst nicht dazu :P) sondern meistens nur zu dem, was ich kenne, oder das ich eigentlich schon lange haben will, aber immer noch nicht weiß, ob das Sinn macht (Twilight und Fifty Shades of Gray gehören in diese Kategorie: Jeder, dem ich einen gewissen Menschenverstand anrechne, mag es nicht, also bilde ich mir keine Meinung und werte das Buch zwar nicht ab, weil ich eigentlich keine Ahnung habe, habe aber nicht das Gefühl, dass ich es unbedingt lesen muss) aber meistens klicke ich nur die alten Bekannten an...

      Es gibt ja unterschiedliche Arten von Fantasy. Urban Fantasy, in dem nur die fantastischen Elemente als Schnörkel eingebettet sind um die Liebesgeschichte zu unterstreichen. realistisches High Fantasy, in dem es um mittelalterliche Welten mit wenig Magie geht und überladene fantastische Erzählungen und Klassiker wie Herr der Ringe und Narnia. Und noch andere Subkategorien, die mir grade nicht einfallen. Vielleicht musst du einfach mal in einem anderen Bereich von Fantasy stöbern. Ich weiß grade nicht, was für dich richtig wäre, aber es gibt verschiedene Arten von Fantasy, also ist bestimmt auch die richtige für dich dabei :-)

      Eine Saison ist eine Jahreszeit... also drei Monate :-) das ist eine lange Zeit. Ich hatte momentan weniger Kommentare und da hatte ich irgendwie den Eindruck, dass das Kommentarmeisterdings nicht mehr die Leute anzeigte, die mir am Herzen liegen, also habe ich die manipuliert... ich fälsche gerne ein bisschen an der Statistik, wenn du dafür verlinkt bist ;-)

      lg Mulan, die Kommistatistikfälscherin

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    2. Bei Herr der Ringe hab ich mal die ersten 20 Seiten gelesen und dann hatte ich keine Lust mehr :D Ich hab bisher eigentlich nur so Bücher gelesen, in denen das Fantasy in die reale Welt irgendwie eingebaut wurde, also z.B. Twilight (:D), Nach dem Sommer, Harry Potter, Arthur und die Vergessenen Bücher und so was :) Derzeit les ich High School Romane und Liebesromane (aber nur ohne Zickenkrieg) voll gerne :D

      Haha, okay :D Ich bin mir zwar grad nicht so sicher, wie (ernst) der letzte Absatz gemeint ist, aber ich les ihn mir nochmal durch, wenn ich bisschen wacher bin, dann kapier ich das schon :D

      LG Lioba, die jetzt erschrocken feststellt, dass schon neun Uhr ist

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    3. Tja, bei mir ist schon halb zehn...

      Herr der Ringe ist auch ein bisschen zäh. Obwohl du jetzt vielleicht keine Ahnung hast, wovon ich rede: Ich habe den Eindruck, dass man mit dem Hobbit und dem Silmarillion (auch wenn letzteres epische Maße aufweist und noch unverfilmbarer ist als Herr der Ringe) einen leichteren Einstieg in Mittelerde hat. Wobei ich ja als Einstieg in High Fantasy überhaupt eher Eragon empfehle, auch wenn ich es nicht mehr so gut leiden kann, weil es im Grunde genommen eine metaphorische Fanfiction von Star Wars und Herr der Ringe ist, aber das ist eigentlich unwichtiges Herumgerede, denn Eragon ist halt leichter zu lesen.

      Der letzte Absatz war ein bisschen rumgeschleime darum, dass ich extra das Zeitfenster erweitert habe, weil ich dich samt deinen Kommentaren so toll finde, dass ich dich verlinkt und weiter oben sehen will ;-)

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  2. Ich fühl mich jetzt ein wenig... uninformiert? :D ich hab das Buch noch nie gesehen... Und so schön hört es sich auch nicht an :D zum Glück lese ich erst diese Rezi und nicht irgendwann anders von dem Buch erfahren :D Ich glaub ich bin leicht unkonzentriert, ich habe gerade den text da oben nochmal komplett verändert, weil das, was ich geschrieben habe überhaupt keinen Sinn gemacht hat...
    Woran ich bei uninformiert denken muss: Kennst du die Känguru-Chroniken? Die sind echt lustig^^ (Zitat vom Känguru: "Hast du schonmal darüber nachgedacht, dass es von uninformiert nicht weit zu uniformmiert ist?") Wobei ich mir nicht vorstellen könnte das zu lesen (wir haben das Hörbuch), Witzebücher und so etwas sind irgendwie nichts für mich :D (ich meine jetzt wirklich nur alas Buch, keine Ahnung warum das so ist, wahrscheinlich würde sich das ändern, wenn ich das Buch lesen würde, aber... :D)
    Gute Nacht,
    Anna

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    1. Ähm... uninformiert? Das macht rein gar nichts. Du hast ja erst dieses Jahr angefangen zur bloggen und dieses Buch war nur letztes Jahr halt der große Renner (dieses Jahr ist es z.B, "Das goldene Garn") :D also ist das eh Schnee von gestern, nicht? xD
      Okay, ganz im Ernst, ich glaube es gibt Dinge, die sehr speziell an der Buchbloggerwelt sind, und dazu gehört, dass manche Blogs sich nur um Neuerscheinungen dreht -dementsprechend tauchen viele neue Bücher als allererstes auf Blogs (und auch in den Prospekten) auf, gerade wenn es sie neu in den Buchhandlungen gibt und meist sind sie erst einige Monate später in den Bibliotheken. Wie auch immer, dadurch wirst du, zumindest wenn du fleißig Buchblogs verfolgst, irgendwann zumindest die am meisten Beworbenen Neuerscheinungen ziemlich schnell herausfiltern können, selbst wenn du die Rezis nicht liest, denn du siehst sie ja in deinem Reader... wie gesagt halte ich das allerdings für ein Recht kurioses Phänomen, denn die Hälfte der angepriesenen Bücher ist nach kurzer Zeit sowieso wieder vergessen ;-) und sich alle zu merken führt zu einem überfütterten SuB. Ich habe da schon so Erfahrungen gemacht, letztes Jahr...

      Ähm, Känguruchroniken? Wir sind hier wohl großartig darin, plötzliche ungewöhnliche Assoziationen zu haben, oder? Keine Sorge, hab ich manchmal auch :D Ich finde Witzbücher gar nicht so übel, habe selber gerade eins auf meinem Rezistapel liegen, aber vielleicht wandert es auch unrezensiert wieder ins Regal :-)

      Das Zitat ist gut :-) Uninformiert und uniformiert... das hat sogar politische Dimensionen, die ich jetzt ausbreiten könnte, aber lassen wir das mal, ich sprenge diesen Kommentar sonst in Postlänge ;-)

      Guten Nachmittag, Mulan

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