Monday, April 20, 2015

"Reckless -das goldene Garn" -Cornelia Funke

Wenn man auf den diesjährigen Katalog vom Dressler Verlag guckt, weiß man gleich, wer dieses Jahr die Galionsfigur ist. Der Umschlag im gleichen Design wie dieses Buch. Aber da Cornelia Funke selbst in den USA gut ankommt, ist sie wohl einfach die Vorzeigeautorin. Wie auch immer, es gibt bestimmt irgendwo schon einen Text, wo steht "die heißersehnte Fortsetzung von..."-blabla. Und ich muss zugeben, für mich stimmt das tatsächlich. Ich habe mich tatsächlich schon tierisch auf dieses Buch gefreut. Wie auch anders, der zweite Band hat mich einfach total süchtig auf mehr gemacht. Das hier hat meine Stimmung über Reckless insgesamt aber eher gedämpft. Aus diesem Grund könnte diese Rezension eine ganze Menge Spoiler enthalten. Wer also ganz ganz aufgeregt ist, Reckless fortzusetzen, dem empfehle ich, diese Rezension nicht zu lesen. Ihr dürft euch ruhig eine eigene Meinung bilden.
Zuerst einmal beginnt es eigentlich ganz gut. Fuchs in der anderen Welt (also in unserer Welt) passt eigentlich soweit noch und es war sehr interessant unsere Welt aus ihren Augen zu sehen.

Genauso wie es das war, von der dunklen Fee zu hören, von der Geburt des Kindes, das Amalie bekommen hat und es war auch aufregend, endlich einmal eine Innenansicht von John Reckless zu bekommen. Ja, wir erfahren endlich, wo John Reckless schon die ganze Zeit steckt. Aber dann taucht der Erlelf auf, der im vorherigen Band nur eine geheimnisvolle Figur im Hintergrund war und damit wird einfach alles zerstört, was für mich bisher die Spiegelwelt ausgemacht hat. Die Erlelfen in unserer Welt? Super. Das sie die Spiegel gemacht haben ist logisch. Aber Magie in unserer Welt? NEEEIN. Das schöne war doch, endlich mal was von Cornelia Funke zu lesen, bei dem magische Welt und Realität beinahe sauber getrennt waren: Magie gibts nur dort. Hier funktioniert sie nicht. Basta.  Aber diese Regel wird einfach auf einem meiner Meinung nach höchst unsaubere Weise gebrochen und danach war die Regel futsch. Bei Tintenherz hat das so viel besser und flüssiger funktioniert. Und Apropos: Es gibt ein paar Eastereggs auf Tintenherz, über ein gewisses Buch, durch dass man Figuren und Dinge aus Büchern herauslesen kann, wenn man es nur einmal aufschlägt und über einen Jungen, der mit dem Feuer sprechen kann (nur in einem Nebensatz erwähnt, nicht als Figur) aber das hat das Buch nicht besser gemacht.


Weitere Punkte auf der Minusliste: Cornelia Funke führt ein nerviges Liebesdreieck ein, und lässt Jacob und Fuchs zappeln (zum dritten Mal! In jedem Band ein anderer Dritter, bisher ist mir das gar nicht aufgefallen, aber bisher war es noch gar nicht so nervig. Dafür jetzt erst recht), obwohl eigentlich jeder weiß, dass die beiden füreinander bestimmt sind. Die beiden Spiegelgolems, die mir als Charaktere zu ausdruckslos waren. Clara passiert ein merkwürdiger Unfall in unserer Welt, wird aber trotzdem den ganzen Rest des Buches nicht erwähnt und Will scheint sich absolut keine Gedanken über sie zu machen (es wird einem nicht einmal angedeutet warum. Was ist los?) und wird stattdessen von dem Erlelf in die Spiegelwelt gebracht, wo er sich mit Nerron auf eine Reise begibt. Es stellt sich außerdem heraus, dass Will seine Steinhaut doch nicht hundertprozentig los ist, was ich inzwischen ehrlich gesagt gar nicht mehr so katastrophal finde wie im ersten Band, eher ziemlich cool, leider muss ich Nerron zustimmen, dass Will wirklich nur als Goyl cool ist. Als Mensch passt er absolut nicht in die Spiegelwelt.

Die Geschichte spielt in Russland und in der Ukraine (vollkommen unpolitisch und offenbar ohne zusammenhang mit aktuellem Tagesgeschehen) und das war vielleicht der einzige Lichtblick: Man hat durchaus ein paar Einblicke in die dortigen Märchen. Allerdings kam mir das leider wieder nicht mehr so üppig vor wie bei den vorherigen Bänden, ich hatte das Gefühl, dass hauptsächlich die bekannteren russischen Märchen ( wie z.B. Baba Jaga) abgehandelt wurden, aber nicht so sehr irgendetwas, das mir neu gewesen wäre. Eventuell bin ich einfach zu hart, weil ich rein zufällig ein paar diese Märchen schon kannte, aber mir kam diese Einarbeitung der Märchen nicht so interessant vor. Vor allem wurde der Focus auf die Erlelfen und Silbergestalten gelegt, die von Cornelia Funke erfunden sind und nicht auf Märchen zurückzuführen sind, aber trotzdem nicht so interessan sind wie die Goyl. Irgendwie mag ich Goyl jetzt ganz gerne...

Ansonsten muss ich sagen, dass sie Handlung diesmal ziemlich lose knüpft. Irgendwie hatte ich immer weniger das Gefühl, dass die Handlung ein klares Ziel hatte. Immerhin war in beiden Vorgängern eine konkrete Gefahr, ein Grund, warum man total mit Jacob mitgefiebert hat, aber in diesem Buch ist es immer nur Jacob, Fuchs und das Liebesdreieck, was ja in einem Kontext vielleicht sogar ein bisschen spannend wäre, aber so in der Leere nix war. Jacob verfolgt eigentlich das ganze Buch über seinen Bruder, ohne zu wissen warum und am Ende weiß er es ebensowenig; der Leser ist dabei genauso schlau. Was das ganze mit Robert Dunbar in Tasmanien soll (was macht er da in Tasmanien, außer mit einer älteren Bibliothekarin zu flirten und vielleicht ab und zu Telegramme mit Jecob auszutauschen? Was zum Teufel?) ist mir ein unerklärliches Rätsel. Oder was spielt es überhaupt eine Rolle, dass Justus Donnersmarck mit der dunklen Fee unterwegs ist, wenn dieser Handlungsstrang auch ins Nichts zu führen scheint?

Natürlich ist man von Hinweisen nicht vollkommen unterversorgt. Es gibt durchaus ständig Andeutungen auf das, was vermutlich in den Folgebänden kommt, aber nach dem Lesen dieses Buches fühle ich wie nach dem gucken von Mockingjay I (Tribute von Panem, ihr wisst schon. War einer von euch letztes Jahr im Kino?): Als ob dieses Buch nur ein Hungermacher auf Fortsetzungen wäre, nur dass es eben NICHT ein zweigeteiltes Buch ist, sondern eigentlich ein einzelner, abgeschlossener Band sein sollte. Überhaupt nicht fein. Ich will trotzdem weiterlesen, was mir fehlt ist die Aufregung und Vorfreude, die ich nach "Lebendige Schatten" noch hatte. Da erscheint es mir sogar noch nebensächlich, dass das wunderschöne Cover, das letztes Jahr um diese Zeit angekündigt haben, nicht verwendet haben. Dass der Spiegel nicht mehr drauf ist, finde ich in Ordnung, aber das erste Cover, das sie veröffentlich haben, sieht dem ersten und zweiten Band trotzdem etwas ähnlicher. Auf diesem hier sieht man ein goldenes Garn (Hey ihr Marketingfuzzis, solltet ihr nicht gelernt haben, dass offensichtliche Wortsumsetzungen des Titels für Buchcover meiden solltet?) was aber wie gesagt nebensächlich ist. Wobei ich durchaus die Vermutung habe, dass die liebe Cornelia von der ganzen Vorfreude auf Folgebände und dem voreiligen Veröffentlichen neuer Cover und der Aktion, dass Leser Emails mit Vorschlägen für Nebenfiguren einsenden dürfen, so unter Druck war, dass sie dieses Buch nicht so sorgfältig verfasst und überarbeitet hat, wie es eigentlich für alle Beteiligten wünschenswerter gewesen wäre. Aber was soll man sagen. :-/

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