Wednesday, May 20, 2015

Die RWE will Atomkraftwerke in Lateinien bauen #4

Die RWE will Atomkraftwerke in Lateinien bauen #1
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Die RWE will Atomkraftwerke in Lateinien bauen #3
Die RWE will Atomkraftwerke in Lateinien bauen #4

"Sie wollen also eine Führung durch das Kraftwerk?" sagte der Chef der RWE und reicht uns beiden Butterbrezeln, als Schlumpfinia unter der Last ihrer Brezel beinahe zusammenbrach, ließ sie sie schließlich auf den Boden des Büros fallen. Es war kein teurer Belag, schließlich war es das Büro und nicht die Privatwohnung.
"Nun ja, zumindest die Konsulin da will." bemerkte Schlumpfinia sofort und lenkte dabei sofort die Aufmerksamkeit wieder auf sich. "ich habe kein Interesse verstrahlt zu werden."
Für eine Schlumpfine war sie ungewöhnlich sarkastisch.
"Sie haben es doch nicht mehr nötig, verstrahlt zu werden, oder?" fragte der Direktor der RWE und musterte Sschlumpfinia derart, dass es klar war, dass er auf alles an ihr deutete, die blaue Haut und die Körpergröße.
"Ich lebe an einem deutlich unverstrahlterem Ort als sie." sagte Schlumpfinia "auch wenn das nichts heißt."
Der Direktor der RWE war offenbar ein sehr humorvoller man, denn er lächelt breit
"Natürlich, wo wir doch schon beim Thema sind." sagte er "meine Wissenschaftler haben ihre Proben ausgewertet und festgestellt, dass tatsächlich alle Materie aus ihrem Land stammt, die ungewöhnliche Eigenschaft hat, de wir vermutet haben. Wenn ich mich entsinne, hat es beinahe fünfunddreißig Jahre gedauert, die Proben auszuwerten, aber nun konnten wir beweisen, dass alles was aus Lateinien stammt, tatsächlich in der Lage ist, Radioaktivität zu absorbieren."
"Und warum hat das fünfunddreißig Jahre gedauert, bis die Proben ausgewertet waren?" fragte Schlumpfinia wieder
"Du erinnerst mich an diese Grünen Politiker." sagte der Direktor mit einem ärgerlichen Unterton in der Stimme "die wissen es immer besser."
"Warum hat es fünfunddreißig Jahre gedauert, bis die Proben ausgewertet waren?" fragte ich.
Vor fünfunddreißig Jahren war ich noch gar nicht am Leben gewesen. Es war eine ganz andere Konsulin gewesen, die die Proben geschickte hatte, aber das musste ich dem Direktor nicht auf die Nase binden. In der Erinnerung der anderen waren alle Konsulinnen gleich, warum auch immer. Als die alte gestorben war, hatten alle vergessen, dass es sie je gegeben hatte, und nicht einmal ich wusste, wie sie geheißen hatte. Mich würden sie auch irgendwann vergessen. Aber egal, erstmal würde ich meine stinknormale Butterbrezel genießen. Sie stammte zwar nicht von meinem Lieblingsbäcker, war aber wenigstens nicht süß wie das meiste lateinische Gebäck (alles von Prinzessin Leia getestet und genehmigt. Brr.) und sie hatte keine klebrige Füllung sondern wunderbar normale Butter.
"Nun, offen gesagt verhalten sich die meisten Materialien aus Lateinien nur unter bestimmten Umständen so wie beschrieben."
Schlumpfinia verdrehte die Augen
"Und?" fragte ich
"Wenn man sie erhitzt beispielsweise, oder in Verbindung mit Wasser." sagte er
"Das dürfte doch nicht so schwer sein." bemerkte ich. Langsam fühlte ich mich unwohl. Was tat ich hier? Ich war tatsächlich zu Besuch beim Chef der RWE. Warum auch immer in Gundremmingen.
"Sehr viel Wasser" sagte er
"Aha" sagte ich und tat so, als verstünde ich. Das klappte nicht ganz so gut, denn er bemerkte es.
"Ich vergesse immer wieder, dass sie fünfzehn sind" murmelte er
"Sechzehn" sagte ich "während wir hier unsere Zeit vertrödeln, bin ich schon sechzehn geworden"
"Herzliche Glückwunsch" meinte er "also, was ich sagen will..."
"Sie verstehen nicht richtig" fiel ich ihm ins Wort "ich bin schon seit mehr als zwei Monaten sechzehn. Aber wir reden hier schon so lange. Unser Gespräch ist ein fiktives und dauert länger als die kurze Zeit, die es in den Augen von Figuren wie ihen und schneller für die Lesern da draußen, die natürlich am allerschnellsten von diesen drei Zeitebenen sind"
Der Chef der RWE sah mich verwirrt an
"Aha" sagte er, ohne zu verstehen.
"Ich vergesse immer, dass Techniker hin und wieder keine Ahnung von Literatur haben" sagte ich "wo waren wir?"
Man beachte das Prädikat "umweltfreundlich"
"Sehr viel Wasser" sagte er, ein wenig stirnrunzelnd, weil ihm etwas entfallen war, und nicht mehr einfiel.
"Genau, sehr viel Wasser" sagte ich "was meinten sie damit?"
"Sie haben da doch einen großen See in Lateinien, oder? Groß und tief. Und ohne Verbindung zum Meer."
"Sag ich doch! Er will bloß seinen Müll im Mittelsee versenken. Dabei ist das schon allein Völkerrechtlich vollkommen daneben, dass er nur dich frägt und nicht einen Pieps mit Königin Klaroline austauscht" Schlumpfinia meldete sich unvermittelt wieder.
"Tja, ich bin eben wichtiger" sagte ich
"Immer diese nervigen Umweltaktivisten, die können doch nicht rational denken" sagte der Chef der RWE
"Das denkst wirklich nur du" sagte Schlumpfinia "es ist absoluter Mist, was er dir gerade wissen soll"
"Das weiß ich" sagte ich "aber es gibt hier Butterbrezeln"
Schlumpfinia verdrehte die Augen
"Die gibt es auch auf den Parteitagen der Schlumpfpartei" sagte sie "sag mir bitte ganz ehrlich: Hast du wirklich vor, auf seinen Vorschlag einzugehen?"
"Ich nehme an, sie wären nicht hier, wenn sie nicht auf meinen Vorschlag eingehen wollten?" fragte der Chef der RWE und gab mir eine Tüte Gummibärchen, auf denen "Atomkraftwerk Gundremmingen" draufstand.
"Überlegen sie es sich doch: radioaktive Gummbärchen und Butterbrezeln auf Lebenszeit!" sagte der Chef der RWE
"Ähm..." ich starrte meine Brezel mit einem Stirnrunzeln an "diese Brezel ist nicht zufällig radioaktiv, oder?" fragte ich
Ich bekam keine Antwort.
"Wer von uns ist jetzt verstrahlt, hä?"  fragte Schlumpfinia spöttisch
"Ich habe nie behauptet, dass du verstrahlt bist!" protestiert ich "das war er!"
"Ich bitte sie, ich habe doch nur offensichtlich Wahrheiten ausgesprochen" sagte der Chef der RWE "das wird man doch wohl noch sagen dürfen, oder?"
Ich seufzte. Ich hatte inzwischen die Schnauze voll und verstand überhaupt nicht, wozu ich da war. Mir fiel ein, dass ich ja nicht mal den Reaktor besichtigen durfte, weil ich ja genau genommen minderjährig war.
"Ich glaube, es ist Zeit das ich gehe" sagte ich
"Aber was ist mit unserem Atommüll?" fragte der Chef der RWE "sie können Deutschland doch nicht so verstrahl zurücklassen!"
"Ähm... sind sie genau genommen nicht selbst Schuld, wenn ihr Land verstrahlt wird?" fragte ich "schicken sie doch ihren Müll nach Gorleben oder sonstwohin, aber Lateinien ist nicht dafür verantwortlich"
Ich ging davon, durch die Tür, vorbei an diesen verrückten Männern mit den Maschinengewehren zurück an den Zaun, an dem ich meinen Fluggleiter geparkt hatte. Plötzlich fand ich es nicht einmal schlimm, eine Schlumpfine auf der Schlepptau zu haben. Sonst fand ich Schlümpfe ja ziemlich nervig, aber außerhalb Lateiniens war es ganz okay. Das fühlte sich mehr nach zu Hause an, wenn man ein bisschen Schlumpfigkeit mit sich trug. Um ehrlich zu sein, nahmen es mir die Schlümpfe ja ab, auch mal kritisch zu sein, etwas auf das ich überhaupt keinen Bock hatte.

"Immerhin war ich vollkommen umsonst dort" meinte Schlumpfinia Schlau "das Ganze ist dadurch, dass du hier im Prinzip rein gar nichts getan hast, außer verstrahlte Butterbrezeln in dich reinzustopfen, völlig unnötig"
"Es war nur eine" sagte ich "außerdem schluckt lateinisches Wasser Radioaktivität, schon vergessen? Und letztendlich bestehe ich zu siebzig Prozent aus Wasser."
Schlumpfinia schüttelte den Kopf.
"Du bist kein lateinisches Gewässer, schon vergessen?" sagte sie und grinste
Ich sah sie schräg an. Ernsthaft? Diese Schlümpfe! Ich verdrehte die Augen.
"Fliegen wir nach Hause" sagte sie und faltete die Hände
"Wer hat dir gesagt, dass ich dich mitnehme?" fragte ich "immerhin bist du als blinder Passagier mitgekommen?"
"Vielleicht könnte das ja doch eine Nachricht für das Schlumpfblatt werden" merkte Schlumpfinia gelassen an und reckte sich. "Konsulin lässt einsame Schlumpfine in fremdem Land im Stich"
Sie saß sowieso auf meiner Schulter. Also gut, dann konnte ich sie genauso gut mitnehmen.

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