Sunday, May 17, 2015

"Happy Smekday (oder Der Tag, an dem ich die Welt retten musste)" von Adam Rex und "Home -ein smektakulärer Trip" von Dreamworks

Sodele... jetzt komme ich endlich dazu, mein Highlight des letzten Monats zu präsentieren. Und wah, dabei ist DIESER Monat bereits mehr als zur Hälfte verstrichen. Wie soll das nur weitergehen?

Kommen wir erstmal zu den Fakten: Dieses Buch ist die Vorlage für den Film "Home -ein smektakulärer Trip" der momentan noch im Kino kommt. Ich habe das Buch erst gekauft, als der Film kam, weil ich es unbedingt lesen wollte, bevor ich mir den Film angucke... und fast wäre ich nicht dazu gekommen ihn zu sehen, habe das aber letzten Sonntag dann doch nachgeholt. Zusammen mit meinem Bruder. Der das Buch nicht mehr lesen will, weil er findet, dass es seine Vorstellung vom Film zerstört. Ja, im Buch ist nicht alles so niedlich wie im Film


Aber reden wir erstmal nicht über den Film, sondern dieses Buch da. Wie gesagt, ich habe es nur wegen des Filmes gekauft, habe aber festgestellt, dass das Buch an sich schon total gut ist. Und dass ich den Film nicht mehr zu gucken brauche (ging mir mit Divergent auch schon so).
Zuallererst geht es um das Mädchen Gratuity (ihre Mutter dachte, "gratuity" heißt Dankbarkeit, aber ihre Freunde nennen sie Tip, weil gratuity eigentlich Trinkgeld bedeutet. Das Buch ist voller urkomischer Situationen wegen dieses Namens). Die Rahmengeschichte ist ein Aufsatz, den sie in der Schule über die Alieninvasion der Boov schreiben soll, die erst weniger Jahr zuvor stattfand und der zu einem Wettbewerb für eine Zeitkapsel eingesendet werden soll. Dabei hat der Chef der invasiven Aliens, Captain Smek, den 24. Dezember, den Tag der Invasion zu seinen Ehren mal eben so in "Smekday" umbenannt. Daraufhin erzählt sie von ihrem Roadtrip  mit dem Boov J.Lo (er sollte sich einen menschlichen Namen wählen, weil Boovisch für Menschen unaussprechlich ist und sich für uns wie Geheule anhört, also is er bei J.Lo gelandet, ohne zu ahnen, dass das nicht gerade ein häufiger Name ist) bei dem so allerhand passiert. Und am Ende retten sie noch gemeinsam die Welt. Eigentlich kann ich da nicht viel verraten, abgesehen davon, dass es ein absurder Roadtrip und sie am Ende die Welt retten auch gar nicht mehr viel sagen. Schon allein, weil jede Kleinigkeit ein Spoiler wäre und das Buch vor allem von den kleinen witzigen Details lebt.

Aber die Bostschaft des Buches ist toll. Schon allein, weil es darum geht, wie die Erde kolonisiert wird und die Aliens keine übermächtigen, zerstörungswütigen, kalten Wesen sind, die mit Panzern und Kanonen bekämpft werden und die Erde in einen apokalyptischen Zustand setzen, wie die meisten Aliensinvasionsfilme, sondern tatsächlich so etwas wie Siedlungspolitik betreiben. Was allerdings nicht ganz ohne Reibereien ist und herrlich absurd ist. Da werden die Amerikaner, die ja selber ihr Land auf nicht besonders schlaue Weise besiedelt haben, plötzlich alle in ein Reservat abgeschoben, einfach weil die Boov das so möchten. Da soll J.Lo das Auto des Mädchens Tip reparieren (sie ist elf Jahre alt, kann aber Auto fahren und ist auch sonst ungewöhnlich selbstständig und aufgeweckt) und macht aber aus dem Auto einen Schwebegleiter, statt einfach den Platten im Reifen zu reparieren, was auch irgendwie an amerikanische Entwicklungshilfe erinnert. Und das zu lesen ist auf jeder zweiten Seite nochmal köstlicher. Wie die Boov die Menschen die "edlen Wilden von der Erde" nennen und überhaupt keinen Respekt vor unserer Geschichte oder Kultur haben.

Um Indianer (oder Native Americans, aber auf Deutsch ist der Begriff ja noch halbwegs politisch korrekt) geht es in dem Buch übrigens auch. Nett fand ich, dass es fast keine Anspielungen auf bekannte Science Fiction Filme gibt und eher auf alte UFO-Sichtungs-Verschwörungstheorien aus den Vierzigern und Fünfzigern zurückgegriffen wurde. J.Lo hat zwar auch einen Alien-Sprachfehler, aber es ist immerhin keine Yoda-Sprache. Die außerdem im Laufe des Buches Stück für Stück abnimmt. Anders als Film-Aliens ist J.Lo in der Lage, seine Grammatik zu verbessern.

Lieblingszitat:
Auf einmal schnappe J.Lo nach Luft. Als ich mich zu ihm umdrehte, hatte er eine Hand vor den Mund geschlagen und zeigte mit der anderen auf mich.
   "Du..." quiekte er mit zappelnden Fingern "...deine Hand!"
Ich hob die Hand vor die Augen und untersuchte sie gründlich.
   "Was? Was ist denn damit?"
   "Du hast das Zeichen! Das Zeichen aus der Vorhersage! Du bist es... du bist die, die der Galaxis den Frieden bringt!"
   "Was, das? Das ist Taco-Soße", sagte ich und putzte sie ab.
Das kommt aber ziemlich spät im Buch, versaut euch den Genuss des Buches -falls ihr es lest- nicht damit, dass ihr die ganze Zeit danach Ausschau haltet ;-)

Dabei haben die Boov aber ja eigentlich auch ihre eigene Sprache, Kultur und ihr Verständnis von der Welt. Die Menschen sind sauer auf die Boov, die Boov können die Menschen nicht verstehen und betrachten sich den Menschen als überlegen, glauben, dass die Menschen einfach sind. Tja. Kommt einen wieder alles bekannt vor. Aber ich fand es nett, dass mal detailliert auf die Kultur und Geschichte einer Aliens Spezies eingegangen wurde, einfach weil ich davon sonst so wenig lese (es gibt zwar durchaus viel über Klingonen, aber eher weniger in Büchern)
Es kommt allerdings nie zu einer richtigen "Völkerverständigung" oder was auch immer zwischen Boov und Menschen, weil die Boov ziemlich früh wieder abziehen müssen.

Falls ihr von dem Film schon gehört habt, und absolut keine Ahnung hattet, dass es ein Buch gibt, falls ihr gedacht habt, dass der Film bloß ein Kinderfilm ist, falls ihr Aliens seid, die die Welt erobern wollen oder falls ihr das hier gerade lest: Lest dieses Buch! Es ist saftig und lecker und hat eine Thematik, das man bei Kinderbüchern nicht alle Tage sieht. Wobei ich, Angesichts von Tips überdurchschnittlicher Intelligenz (sie schlägt manchmal ihre eigene Mutter und J.Lo, der immerhin einer technisch überlegenen Alienspezies angehört oftmals um Längen. Und entblößt dabei, wie stumpf Erwachsene manchmal sind) und der ganzen Ironie (die mich trotzdem zutiefst berührt hat)  das Gefühl habe, das das Buch eher für Jugendliche und Erwachsene geschrieben wurde. Oder, um es wie J.Lo zu sagen:
"Elf! Du hast ersts elf Jahre? Mit elf war ich gerade ersts raus aus meinen aufblasbaren Turnsachen."
Insgesamt? Ein lustiges, nachdenkliches und unterhaltsames Buch, das auf jeden Fall lesenswert ist.


Dann gibt es noch die quietschbunter Verfilmung dieses Buches, die grade im Kino kommt. Ich denke, die meisten von euch werden den eher kennen als das Buch. Falls ihr wirklich nicht wisst, wovon ich rede, hier der Trailer:


Und, ich warne euch, Buch und Film haben große Unterschiede. Ich habe es schon einmal geschrieben, mein Bruder hat das Buch angefangen und es hat ihn schon nach ein paar Seiten zerstört. MICH hat ehrlich gesagt der Film verstört, aber jedermann möge das sehen, wie er will. Wie man im Trailer bereits sieht, heißt der gute Boov nicht mehr J.Lo, sondern einfach nur noch Oh. Hatte J.Lo wohl was dagegen. Verschwörungstheorie meines Vaters: J.Lo (die menschliche) hat Dreamworks nicht verklagt und dafür ihre Sprechrolle in dem Film gekriegt und zusammen mit Rihanne Musik für den Film beigetragen. Was wahrscheinlich höchstens knapp die Wahrheit verfehlt. Aber egal, dann heißt er eben Oh.

Im Grunde genommen ist nur der Anfang in dem MoPo und die Toilettenpause mehr oder weniger direkt an das Buch angelehnt, alles andere ist nur noch "frei nach" dem Buch. Die wichtigsten Botschaften haben sich in ihrem Kern bewahrt. Allerdings wurden sie schon deutlich verschoben, alle ein bisschen in verschiedene Richtungen, sodass einfach alles ein bisschen anders ist und man als Buchkenner ziemlich verwirrt ist. Die für mich wichtigsten Dinge, nämlich dass die Besiedlungspolitik der Boov vollkommen bescheuert ist und dass Tip ziemlich intelligent ist, bleiben immerhin, das schon einmal als Trost. Übermäßig intelligente und aufgeweckte Kinder sind allerdings auch so eine Spezialität von Dreamworks. Die sind wirklich fast ALLE mindestens Nerds und Außenseiter, genau wie Oh im Film (Falls ihr's wissen wollt: Hicks aus "Drachenzähmen leicht gemacht" und Sherman aus "Mr. Peabody und Sherman" sind auch solche Fälle. Wobei, beim fünfzehnjährigen Hicks kann man das verstehen. Beim siebenjährigen Sherman ist die Intelligenz -immerhin, Ironie versteht er nicht immer- aber ziemlich unglaubwürdig. Ende der Dreamsworks Abschweifung)

Vieles aus dem Buch ist im Film stark vereinfacht worden, sagen wir, es wurde ein Kinderanimationsfilm draus gemacht. Im Buch war alles, was vereinfachend war, so ironisch, dass es schon wieder komplex war und zumindest seine klare Botschaft hatte, im Film wird es jetzt sehr simpel und flach aufgetragen. Und natürlich total knallig bunt. Ich will hier nicht die Detailunterschiede auflisten (davon gab es sehr viele) sondern vor allem, was den Kern der Botschaft betrifft. Im Buch geht es sehr viel um Politik, Kultur und allgemein darum, wie die Boov und Menschen miteinander umgehen, und darum, wie die Menschen, gerade in ihrem beharren darauf, normal sein zu wollen, sich völlig abgedreht verhalten. Und die Boov sind nicht anders. Im Film wird in den Focus gerückt, dass zwei Underdogs die Welt retten, dass die Menschen wissen was Familie sind und sich um ihre Familien sorgen, was die Boov, die aufgrund ihrer Fortpflanzungsweise keine Familien haben (Niemand kennt seine Vorfahren; Niemand kennt seine Nachkommen), dass Boov kein Risiko eingehen, wenn die Wahrscheinlichkeit auf Erfolg unter fünfzig Prozent sinkt, Menschen aber schon, also kurz und gut, die alte amerikanische, Welt retten-Familie-und-Mut-Leier, die ich langsam auswendig kenne und mich etwas langweilt.

Der Film ist zwar wie erwähnt: ein Kinderfilm, aber ich sag's trotzdem: Das ganze war zu kindisch. Die Boov, die technisch absolut überlegen sind und mit ihren Raumschiffen durch die Galaxis jetten, sich im übrigen ja den Menschen so überlegen fühlen, stellen sich im Film an manchen Stellen einfach nur saudoof an und es gibt auch einige Stellen, die zwar durchaus witzig sind (und gut darin, Kinder zum Lachen zu bringen) aber es war einfach Schade, was daraus gemacht wurde. Zwar haben sich die Boov auch im Buch manchmal lächerlich benommen, aber eben auf eine erwachsen-lächerliche Art und eigentlich war das ja der Witz im Buch, dass sich die Boov und die Erwachsenen aus Tips Sicht dämlich benehmen, weil sie eben Erwachsene sind und der Effekt wurde im Film dadurch, dass alle Boov total kindlich und kindisch zugleich sind, total ausradiert.

Ich sollte noch etwas zu den Gorg sagen. Die Gorg komme bereits im Buch vor, aber ich hatte nicht vor, die ganze Handlung des Buches auszubreiten (es ist schon verzwickt) und im Film werden die Gorg grundverschieden von den Gorg im Buch dargestellt. Im Buch sind die Gorg nämlich auch genau das, was sie zu sein scheinen. Im Film nicht. Allerdings ist die Auflösung dann eben ziemlich kitschig, tut mir Leid. Ein bisschen mehr Bösewicht hätte dem Film wirklich gut getan. Das sage ich, obwohl ich normalerweise genervt bin, von schlechten, dämlichen Bösewichten. Aber, am Ende war vielleicht höchstens der Captain Smek der Boov an allem Schuld und irgendwie schien die ganze Gefahr und Angst die teilweise gemacht wurde, dadurch ziemlich umsonst.

Dabei fand ich den Film gar nicht schlecht. Ich habe am Schluss sogar geheult (bin allerdings auch nah am Wasser gebaut, hat vielleicht auch gar nichts zu bedeuten) und es ist eigentlich ein schöner Film. Kann man angucken. Und mein Bruder fand ihn toll. Aber er ist nicht mit dem Buch zu vergleichen.

boovigste Grüße,
eure Mulan

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