Sunday, July 19, 2015

"Der Club der unsichtbaren Gelehrten" -Terry Pratchett

Es ist eigentlich schon eine ziemliche Weile her, seit ich das Buch gelesen habe. Ich weiß immerhin noch, welchen Eindruck das Buch hinterlassen hat.
Mehr als einen Monat, aber ich schau mal, dass ich eine ordentliche Rezension zusammenkriege. Ich hatte eigentlich schon letztes Jahr vor, endlich mal etwas von Terry Pratchett zu lesen, dann ist er gestorben. Ich werde nicht mehr wissen, wie es ist, noch gespannt auf irgendetwas Neues zu warten.
Andererseits fühlt sich die Menge der Bücher, die er geschrieben hat, nicht mehr so erdrückend an, ich weiß jetzt nämlich ganz sicher, dass er nicht mehr nachlegen kann. Okay, das klingt herzlos, aber mein Bezug zu Terry Pratchett ist eben noch nicht so stark.

Die Scheibenwelt war wirklich faszinierend. Zwischendrin hätte ich fast vergessen, das diese ganze Welt ans Mittelalter angelehnt war. Computer, Trolltaxis, Omnibusse, Fußball, Modezeitschriften? Und Magie, natürlich. Das war schon eine ungewöhnliche Art und Weise, das zu vermischen. Oberflächlich betrachtet war sie total mittelalterlich, aber unterschwellig hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, dass ich mich in unserer heutigen Zeit, oder zumindest höchstens zwanzig oder dreißig Jahre in der Vergangenheit befand. Schon allein vom Verhalten der Figuren und vom Schreibstil her. Zwischendrin wurde dann doch einiges eingeworfen, das mich daran erinnerte, dass das alles eine mittelalterliche Fantasywelt sein sollte, aber es war deutlich anders als in typischer Fantasy. Oder fast eine Parodie darauf, aber nur fast. Zum Teil lag das schon an den Namen der Figuren und Orte, die irgendwie alle sehr alltäglich und normal klangen, sie klangen wie Namen, die irgendjemand in England tatsächlich haben könnte und überhaupt nicht nach Fantasy, noch viel weniger seltsam als bei Harry Potter. Auch wenn sie es natürlich nicht alle waren. Im übrigen war es auch hier so, dass jeder einzelne Name perfekt zu der Figur gepasst hat, die ihn trug. Auch wenn sie mir am anfang seltsam vorkamen, witzigerweise war Juliet eben genau so, wie ich mir eine Juliet vorstelle, Glenda so wie ich mir irgendwie schon im vorraus eine Glenda vorstelle und so war es auch weiter mit allen anderen Namen. Es war eigentlich fast klischeehaft, aber es war so.


Ich mag auch die Art, wie Terry Pratchett einige unterschiedliche ernste Themen in diesen Fantasyroman einbettet.
Zum einen irgendwie das Anderssein von Nutt und das Verhalten des Umfeldes darauf, und wie er dabei zu einem gewissen Grad auch einen Minderwertigkeitskomplex entwickelt, wegen der Sonderbehandlung, die er sein ganzes Leben lang erfährt, obwohl er überdurchschnittliche intelligent und geschickt ist (oder ist er so, weil er sich besonders beweisen will?).
Dann ist da auch diese Krebseimer-Metapher, dass Menschen sich oft, obwohl es eigentlich prinzipiell könnten und es ihnen möglich wäre, sich selbst und sich gegenseitig im Weg stehen, vor allem sich selbst, und sich deshalb trotz aller Freiheit wegen der Mauern in ihrem Kopf nicht aus der sozialen Schicht und dem gesellschaftlichen Leben befreien können, in das sie geboren sind. Und die irgendwie bei Nutt ja ähnlich in seinem Kopf existiert, weil er gar nicht erkennt, wie wertvoll und besonders er ist.
Drittens, überhaupt das Verhalten und Denken der Masse, Massen im Fußballstadion und dass man in der Masse kollektiv Gemeinschaft erleben kann, aber auch, dass man sich in der Masse ein gegenseitiger Klotz am Bein sein kann und dass eine Masse auch einzelne oder Minderheiten ausschließen kann.
Dadurch ist der Roman quasi "Social Fantasy" oder wie man das nennt, gesellschaftskritische Fantasy. Ich finde das wirklich  toll, irgendwie die Bestätigung, dass Fantasy nicht bloß Schund ist und auch eine Ermutigung für mich, weil ich eigentlich auch immer versuche, ernstere Themen in meine Geschichten einzubauen. Wobei, ist euch schon aufgefallen, dass abgesehen von den reinen Liebesgeschichten fast alle erfolgreichen Fantasyromane ernste Themen behandeln?

Andererseits sind auch viele andere Themen des Romans einfach nur total banal. Es geht um Fußball und um Mode. Um eine Universität, die wie alle öffentlichen Einrichtungen, Geldprobleme hat (und deswegen eine Fußballmannschaft aufstellt). Eine Liebesgeschichte zwischen einem Fußballer und einem Model (wenn man es so zusammenfasst), etwas, dass mich sonst einfach überhaupt nicht interessieren würde, aber hier wirklich sehr interessant verpackt ist.

Was mich aber eben irritiert hat, war das eine: es heiß eben, dass die Scheibenweltromane sehr witzig und humorvoll geschrieben sind. Naja, dieses hier ist es zumindest nicht, und hat mich, was das Lachen angeht, einfach nicht vom Hocker gehauen. Eigentlich ganz ordentlich und schö geschrieben, aber ich musste höchstens mal Schmunzeln, aber nicht wirklich lachen. Das bedeutet a) vielleicht sollte ich die Bücher mal im englischen Original lesen oder b) vielleicht ist dieses Buch an sich einfach nicht sooo witzig. Ich probiere es als nächstes vermutlich mit dem allerersten Scheibenweltroman, mal sehen wie ich den finde.

Und, wie sieht's bei euch aus? Seid ihr absolute Fans von Terry Pratchett? (Vom Fellmonsterchen weiß ich das natürlich schon. Fellmonsterchen ist der Hauptgrund, warum ich überhaupt mit Pratchett angefangen habe). Oder habt ihr noch nie was von ihm oder seinen Büchern gehört? Und wie findet ihr eigentlich gesellschaftskritische Fantasy?

eure Mulan

6 Kommentare -gib deinen Senf dazu:

  1. Das Buch gehört zu den späteren Werken Pratchetts, und alle seine späteren Bücher aus den letzten Jahren (etwa die letzten sechs) sind nicht mehr so dolle. Das liegt wohl an seinem Alzheimer. Ich vermute auch, daß er wegen dem/s Alzheimer/s Selbstmord begangen hat. Wirklich gräßlich ist sein letztes Buch über eine Eisenbahn auf der Scheibenwelt. Nicht zu empfehlen.

    Aber ja: alle seine früheren Bücher sind uneingeschränkt zu empfehlen!!! (Prätschett warnt übrigens vor dem Gebrauch von mehr als drei oder vier Ausrufezeichen: sie deuten auf eine gestörte geistige Gesundheit.) - Mein Lieblingsbuch ist und bleibt "Die Nachwächter"!!!!!

    Apropos "Masse": Mein Lieblingsspruch von Pratchett lautet: "Eine Gruppe ist so intelligent, wie der Dümmste in der Gruppe geteilt durch die Anzahl der Gruppenmitglieder."

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    1. Hmm, das könnte sein. Ich hab mir bei dem Buch allerdings auch überlegt, ob ich es lesen soll. Ich hätte das nicht gewusst. Aber wahrscheinlich werde ich es aus Interesse trotzdem lesen.

      Na dann :D

      Interessanter Spruch, wobei ich sagen würde, dass viele klügere Menschen sich aus solchen Gruppen komplett raushalten würden.

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  2. Ach je, hier wollte ich ja auch meinen Senf dazugeben, sobald der Gips ab ist und nun ist der schon über eine Woche weg...
    Pratchetts erste Bücher waren mehr gagorientiert, er hat sich dann immer mehr Richtung Gesellschaftskritik orientiert, zwischenzeitlich gab es auch einige schwächere Scheibenweltromane, wo die Mischung aus Humor/Satire und Gesellschaftskritik nicht so richtig funktionierte.
    Großartig sind u. a. die Bücher mit den Hexen, z. B. "MacBest" oder "Total verhext". Das oben schon genannte "Die Nachtwächter", es gibt aber noch viel mehr tolle Scheibenweltromane, allein für Rincewind den Zauberer müsste man Terry ein Denkmal bauen. Als Fan würde ich ja sagen, lies sie in der Reihenfolge, wie sie erschienen sind. :-) Gute Übersicht gibt es hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Scheibenwelt-Romane

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    1. Hehe, ich wollte eigentlich auch längst mal einen Kommentar bei dir schreiben, ich komme in letzter Zeit einfach gar nicht mehr dazu, Blogs zu lesen. Aber nun gut!

      Mal sehen, was ich als nächstes lese, dein Rat klingt gut, auch wenn ich ihn Angesichts des Angebots in meiner Bibliothek wahrscheinlich auch nicht ganz einhalten kann...

      Keine Ahnung was das Denkmal angeht, aber ich nehme an, dass ich sofort dazu bereit wäre, es zu planen, wüsste ich, um wen es da überhaupt geht :P

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  3. Dein Cookie-Text! Genial!!!! Da verwende ich einfach mal Ausrufezeichen im Rudel, wohl wissend, was Pratchett darüber schrieb... :-D

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    1. Sobald ich herausfand, dass man den ändern kann, MUSSTE das einfach sein!!! Wenn die Anzeige schon so blödsinnig alles verdeckt, dann wenigstens auf schlumpfochale Weise ;-)

      Das mit den Ausrufezeichen habe ich jetzt auch schon des öfteren gelesen, ich bin echt mal gespannt auf weitere Scheibenweltromane :D

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