Tuesday, November 10, 2015

"Die Seiten der Welt -Nachtland" -Kai Meyer

Ich habe ja bereits über den ersten Band dieser Reihe berichtet. Von Furia und davon wie dieses Buch eben so ein Buch ist, das von Büchern handelt und dabei eine Hommage an die gesamte Buchwelt darstellt. Und dabei natürlich auch eine ganze Menge Ideen aufbringt, die andere Autoren bereits hatten, wie Figuren die aus ihrer Buchwelt herausgerissen werden und mit der realen Welt fertig werden müssen. Aber eben auch neue, wie Magie, die mithilfe von Büchern gewirkt wird und weit über das hinausgeht, was ich aus anderen Büchern kenne. Arenenkämpfe zwischen Büchern, Bookboards und Teleportation mittels zweier Bücher der gleichen Ausgabe. Alles Dinge, die faszinierend und fast schon zu weit hergeholt sind, passen sie doch teils so gar nicht in die verschlafene Welt von Bücherwürmern.

Jedenfalls zieht sich weiterhin der rote Faden des ersten Bandes auch durch dieses Buch. Jetzt geht die Rebellion der Exlibri und einiger Bibliomanten (also eigentlich nur Furia und Isis Nimmernis von den Bibliomanten) gegen die adamitische Akademie weiter. Erst in diesem Buch tauchen die Mitglieder der adamitischen Akademie überhaupt auf, wie auch die Mitglieder der anderen Familien des Scharlachsaals. Furia und ihrer Freunde Cat und Finnian jedenfalls sind dabei irgendwelche rebellischen Aktionen zu unternehmen und dabei entdecken sie, dass es plötzlich um weit mehr als als nur die Exlibri geht. Nee, es geht um die Existenz der gesamen bibliomatischen Welt, um alte Geheimnisse aus der Vergangenheit, drohenden Krieg und überhaupt um die Wurst. Tam-tam-taaa! Das volle Programm. Eine epische Aktionblockbustergeschichte im Buchformat. Hier werden Büchernarren zu Aktionhelden und magischen Kämpfern gemacht und das ist im Prinzip die Grundidee der gesamten Buchreihe. No need to say more, denn um mehr geht es auch nicht, es ist halt eine herrlich dramatische Weltrettungsgeschichte in einer magischen Welt. Mit einer mal mehr oder weniger logischen Handlung. Aber Spaß machen soll es ja.


Die Hauptfigur Furia und ihr Bruder Pip sind immer noch etwas echt herziger für mich, weil sie inzwischen sechzehn ist und Pip auch etwa im Alter meines Bruders und Pip wird in diesem Band endlich etwas detaillierter charakterisiert, statt fast nur auf seinen Clownkomplex reduziert zu werden wie im vorherigen Band. Stattdessen darf er sich mit einem Mädchen herumschlagen, die Pychopathin Büchern gegenüber ist und ebendiese fein säuberlich zu Papierschnipseln verarbeitet, aber abgesehen davon beginnt man endlich zumindest ein bisschen zu verstehen, was Pip ausmacht, wer er ist. Vielleicht, weil er mit zwölf auch wirklich beginnt, einen Charakter zu entwickeln.

Gerade durch das Konzept von Büchern als Drogen und einen alten Kumpel von Isis Nimmernis, der quasi im heruntergekommensten, abgefucktesten Teil der Bücherwelt lebt hat "Nachtland" verstärkt dieses Gefühl eines düsteren Actionfilms mit etwas rauen Figuren und dunklen Vergangenheiten. Auch wenn das Buch ganz bestimmt nicht das Zeug hat, verfilmt zu werden, versucht das Buch zuindest so etwas reinzubringen und ganz originell ist das auch nicht, aber es ist interessant, weil es aus Büchern Waffen und aus Buchhändlern Drogendealer macht. Macht an sich nicht viel Sinn und setzt die Aussage "Bücher sind gefährlich" auf fast abgedroschene Weise wortwörtlich um. Klar, Kai Meyer versucht damit auch irgendwie cool zu sein, aber in dem Fall finde ich es sogar legitim.

Allerdings ist das ganze nicht perfekt. "Die Seiten der Welt" hat schon seit dem ersten Band schon die ganze Zeit das, was ich mal England-Deutschland-Konfusion nenne, und das ich auch schon aus den Büchern von Kerstin Gier kenne. Geschichten, die meiner Meinung nach zu viele England-Deutschland Verflechtungen haben, die keinen Sinn für mich ergeben, weil eine englische Hauptfigur von einem deutschen Autoren auffallend viel mit Deutschland zu tun hat, Vorfahren, oder dass sie zufällig Deutsch spricht, wo es mir schon ein bisschen unter den Nägeln juckt, einfach weil es nicht in die Geschichte passt. In diesem Buch ist es auch nicht so schlimm wie in anderen, es ergibt noch einigermaßen Sinn, schließlich wurde der Buchdruck mehr oder weniger in Deutschland erfunden, nur perfekt stimmig ist das Bild einfach nicht.
 Das Problem ist, dass gefühlt neunzig Prozent Fantasyfiguren in deutschsprachigen Romanen englische Namen oder englische Verwandtschaft haben und ehrlich gesagt nervt das einfach. Die meisten Deutschen haben garantiert mehr französische und amerikanische Verwandte als britische. Weil Furias Name eigentlich bereits zu deutsch klingt, weil Isis Nimmernis anscheinend in England aufgewachsen ist, aber Nimmernis eben auch sehr deutsch klingt und weil die Namen der tatsächlich deutschen Kinder in dem Buch so abgehoben sind, dass sie bescheuert klingt. Rachelle, Veit und Pandora. Geht. Aber der Nachname, Lohenmut, der klingt ehrlich gesagt abgedroschen, zumal für eine reiche, adlige Familie.

Mit Konfusion meine ich einfach, dass die Verflechung zwischen zwei Ländern, Sprachen und Kulturen nicht besonders flüssig ist, weil irgendwie die ganze Geschichte hauptsächlich in England spielt, während gleichzeitig die ganzen mächtigen Figuren der adamitischen Akademie Deutsche sind. Warum zum Teufel ist dann nicht auch der Großteil der Bücherwelt  in Deutschland? Warum sprechen die Figuren die meiste Zeit Englisch? Ist Deutsch nicht cool genug? In der Hinsicht ist diese Bücherwelt in Band zwei leider nicht flüssiger geworden, sondern nur konfuser und nicht ganz schlüssig. Zumal man dadurch bei vielen Charakteren nicht weiß, welche Sprache sie sprechen oder woher sie kommen. Manchmal wird erwähnt, dass jemand diese oder jene Sprache spricht, aber die Sprache und der Name passen nicht und es ist genauso ätzend wie wenn jemand bei Karl May mitten im Wilden Westen anfängt fränkisch oder sächsisch zu reden. Nein, im ernst, das ist tatsächlich so.
Daneben gibt es noch unnötige, wenn auch immer hin nicht ganz inhaltsleere Konflikte in Cat und Finnians Liebesbeziehung. Bei denen eben beide ein Problem haben, wo es eigentlich reichen würde, es einfach zu sagen, aber wie immer in solchen Situationen, nicht imstande sind, darüber zu reden.

Insgesamt war ich total high von diesem Buch. Abgesehen davon, dass es nicht befriedigend schlüssig ist, ist es spannend geschrieben, interessant aufgesetzt und entspricht im großen und ganzen dem, was ich vom ersten Band her auch schon erwartet hätte. Pfiffige kleine Charaktere, Actionhandlung, kleine Lovestory und Spaß beim Lesen. Keine britische Atmosphäre, dafür Action und Doomsday-Stimmung. Und durchaus kluge Ideen. Wenn Geschichten wahr werden könnten, was wäre zuerst da gewesen, die Geschichte, oder die wahrgewordene Geschichte? Und was ist wenn man aus der Gegenwart heraus die Geschichte in der Vergangenheit ändert, ändert sich die Geschichte? Abgesehen davon, dass ich Zeitreise und Kommunikation über die Zeit hinweg nicht für realistisch halte, ist das Buch nicht bloß Spannung pur. Darüber hinaus geht es um Machteliten. Und Zwischenmenschlichkeiten, wie in jeder Geschichte.
Falls euch die Geschichte interessiert und ihr den ersten Band mochtet, könnt ihr es schon lesen. Falls nicht, muss man nicht ;-)

eure Mulan

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